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  • Kritik: Politikum ohne politische Absicht

    Es muss diese Stimme sein. Dieser volle und etwas rostige Bass von Hollywood-Legende Paul Newman, der die Geschichte des «Million Dollar Baby» erzählt. Diese Stimme lässt von der ersten Szene an keinen Zweifel daran: Das Drama, mit dem Clint Eastwood zum strahlenden Sieger der diesjährigen Oscar-Nacht wurde und das an diesem Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, ist nicht einfach ein Boxfilm.

    «Million Dollar Baby» erzählt einfühlsam und Schritt für Schritt die bewegende Geschichte eines knorrigen alternden Trainers (Eastwood) und seiner unermüdlichen Schülerin (Hilary Swank). Dass in den USA nun die Gegner und Befürworter der Sterbehilfe in den Ring gestiegen sind und aufgeregt über «Million Dollar Baby» streiten, liegt am Schluss des packenden Films. Dazu später.

    Eastwood, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller, spielt den alternden Boxtrainer Frankie Dunn. Ein wenig wie in seinen alten Western gibt Eastwood als Frankie den einsamen Wolf, der niemanden an sich heranlässt, seit seine Tochter sich von ihm angewandt hat. Einer seiner Grundsätze: «"Hart" ist noch nicht genug.»

    Als die Boxerin Maggie sich ihm aufdrängt, die um jeden Preis von dem einstigen Erfolgstrainer ausgebildet werden will, willigt Frankie ein - widerwillig zunächst, doch schließlich führt er sie voller Hingabe von Erfolg zu Erfolg im Ring. Doch die Boxerkarriere ist nicht mehr als die Kulisse für ein anderes Stück: Maggie, die aus völlig zerrütteten Verhältnissen kommt und die nur das Boxen hat, wird für den einsamen Frankie ein Tochter-Ersatz.

    Doch dann kommt der eine Kampf zu viel, den jeder Boxer fürchtet: Im Duell um den Weltmeistertitel wird Maggie lebensbedrohlich am Genick verletzt, ist fortan vom Hals abwärts gelähmt. Bis zu dieser dramatischen Wendung ist der Film eine Beziehungsgeschichte, doch nun kommt das Thema Sterbehilfe hinzu. Die bettlägerige Maggie wird Tag für Tag künstlich ernährt und beatmet - bis sie Frankie bittet, die Geräte abzustellen.

    Eastwood, mit 74 Jahren gleichsam der Elder Statesman Hollywoods, packt damit ein heißes politisches Eisen an. Sein Heimatstaat Kalifornien berät derzeit über ein Gesetz, das Sterbehilfe erlaubt. In Florida läuft ein jahrelanges juristisches Tauziehen um eine Komapatientin. Amerika diskutiert nun umso erregter. Vor Kinos, in denen «Million Dollar Baby» anlief, gab es Proteste. Der Film wurde zum Politikum. Eastwood gab sich darüber amüsiert. «Mir ist der politische Aspekt während der Dreharbeiten nicht einmal in den Sinn gekommen», sagte er in einem Zeitungsinterview. Position bezog Eastwood nicht.

    Auch der Film lässt Fragen offen. Etwa, ob mit den 132 Minuten Zelluloid nicht in Wirklichkeit zwei Filme abspulen. Und: So wie Frankie samt seines weiteren Schicksals am Ende des Films nur noch durch ein blindes Kneipenfenster zu sehen ist, bleibt die zentrale Botschaft des Films verschwommen.

    «Million Dollar Baby» ist aber auch ein Film mit Liebe zum Detail und zugleich mit knappen, schlichten Dialogen, die nach und nach doch sehr viel über die stark gezeichneten Charaktere verraten. Auch wenn vier Oscars vielleicht etwas viel sind für das filmisch eher konventionelle Drama - die Auszeichnungen für den besten Film, die beste Regie, die beste Hauptdarstellerin und den besten Nebendarsteller (für Morgan Freeman) sagen etwas über die Qualität des Werks.

    dpa

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