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  • Kritik: Poetischer Film über Kinderwitwen in Indien

    Es beginnt ganz leise im Morgengrauen. Sanft plätschert ein Ruder im Wasser. Chuyia, ein Mädchen mit langen braunen Locken, sitzt im Jahr 1938 mit ihrem Vater im Boot und beobachtet diesen Fremden neben ihnen, der während der langen Reise in die heilige indische Stadt Varanasi stirbt und damit ihr Leben einschneidend verändert - denn der Tote war ihr Mann.

    Von nun an muss die Achtjährige mit kurz geschorenen Haaren in einem Ashram mit 14 anderen Witwen ihr Leben fristen - ein Leben, das sie mit dem Trotz eines Kindes gewaltig durcheinander bringt. «Water» heißt der poetische, anrührende Film der indischen Regisseurin Deepa Mehta.

    Nach «Fire» und «Earth» beleuchtet Mehta im letzten Teil ihrer Trilogie ein schwieriges Kapitel aus der Geschichte des Hinduismus, der noch in den 30er Jahren die Kinderheirat mit älteren Männern billigte. Starben diese, wurde den Mädchen hierfür eine Mitschuld gegeben. Zur Buße durften sie keine Süßigkeiten mehr essen, mussten sich die Haare abrasieren und fern der Familie in einem Ashram ihr Dasein fristen. Kinderwitwen gibt es nicht mehr, wohl aber Ashrams, in denen Mehta für den Film recherchierte.

    Viele Mädchen richtet das karge Leben zu Grunde, so etwa Chuyias Freundin Kalyani (Lisa Ray «Bollywood/ Hollywood»), die von der Herrin des Ashrams zur Prostitution gezwungen wird. Als sich Kalyani in den idealistischen Gandhi-Anhänger Narayan verliebt, scheint sich für sie und Chuyia alles zum Guten zu wenden. Doch ein dunkles Geheimnis bedroht ihr Glück.

    Die Ereignisse rütteln die gläubige Hinduistin Shakuntula (Seema Biswas «Bandit Queen») auf, die bislang alles stoisch ertragen hat. «Steht irgendwo geschrieben, dass Witwen schlecht behandelt werden sollen?», fragt sie zweifelnd und Narayan erklärt wenig später, warum Witwen abgeschoben werden: Ein Bett gespart, ein hungriger Mund weniger. «Es wird als Religion ausgegeben, dabei geht es nur ums Geld», resümiert der Jurastudent, dargestellt von dem populären Bollywood-Darsteller John Abraham.

    «Es geht um den Konflikt zwischen Gewissen und Schicksal», sagt Mehta. «Einem Schicksal blind zu folgen, nur weil es vorherbestimmt ist, ist sehr destruktiv.» Bei fanatischen Hindu-Fundamentalisten löste sie damit Empörung aus. Am ersten Drehtag stürmte ein wütender Mob die Sets. «Sie warfen unsere Kulissen in den Fluss, zündeten sie an und verbrannten Porträts von mir», erinnert sich Mehta. Erst fünf Jahre später drehte sie «Water» in Sri Lanka fertig. Die große Entdeckung ist Chuyias Darstellerin Sarala aus Galle im Süden Sri Lankas, die weder Hindi noch Englisch sprach. Innerhalb weniger Wochen lernte die willensstarke Sarala jedoch mit Hilfe eines Lehrers ihren Text. «Sie hat nie zuvor geschauspielert - sie ist ein Naturtalent», schwärmt Mehta.

    Ein großer Teil des Zaubers von «Water» geht von den Farben aus. Blau, grün, weiß und grau ist die zurückgezogene Welt der Witwen. Ruhige, ausdrucksstarke Bilder unterstreichen die klare Erzählweise, die zutiefst bewegt, ohne kitschig zu sein. Auch der indische Schriftsteller Salman Rushdie («Die Satanischen Verse») ist voll des Lobes für den Film: «Er erzählt seine Geschichte aus dem Inneren seiner Charaktere, zeigt reihum das menschliche Drama ihres Lebens und rührt dabei auf unvergessliche Weise unsere Herzen.»

    Cordula Dieckmann, dpa

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