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  • Kritik: Poesie im Kino

    Den Zauber der Poesie auf die Leinwand bannen - in "Poem" wagt Regisseur Ralf Schmerberg den ehrgeizigen Versuch, 19 Gedichte deutschsprachiger Autoren filmisch umzusetzen.

    Darunter sind Werke von Hermann Hesse, Ingeborg Bachmann, Heiner Müller, Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Johann Wolfgang von Goethe. Alle Gedichte werden von Sprechern rezitiert, manche zusätzlich szenisch dargestellt, bei einigen untermalen nur Bilder die Poesie. Es gibt keinen Handlungsbogen, jedes Gedicht steht für sich selbst.

    Fünf Jahre Vorbereitungszeit

    Einzige Verbindung ist die immer wieder auftauchende Einstellung eines jungen Mannes, der seinen Vater auf einem Holzgestell durch eine unwirtliche Landschaft trägt - gedacht als Sinnbild für die Last des Lebens, die jeder auf den Schultern trägt, gepaart mit Erfahrungen, die niemand abschütteln kann.

    "Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug", lautet der Untertitel des gelungenen Filmprojekts, das fünf Jahre Vorbereitung in Anspruch nahm. Er habe die "Nase gehörig voll gehabt" von "flachen Musikvideos" und dem "Shit, den Talksendungen im TV produzieren", sagt der Regisseur, der bislang vor allem Regie bei Musikvideos ("Fantastische Vier", "Zweiraumwohnung") und Werbespots führte. Er wolle, dass "Poem" die Zuschauer "das Wort erleben" lasse und sie "zu Offenheit und Mut für ihr eigenes Leben" anrege.

    Ruhe finden im Luftballon

    Schauspieler Jürgen Vogel beispielsweise spielt als Familienvater zusammen mit Anna Böttcher das Gedicht von Ingeborg Bachmann "Nach grauen Tagen". Das sonntägliche familiäre Beisammensein ist eine Tortur. Die Mutter steht am Rande eines Nervenzusammenbruchs und erfährt nur dadurch, dass sie ihren Kopf in einen riesigen Luftballon steckt, einen Moment der Ruhe. Bachmanns Gedichtbeginn "Eine einzige Stunde frei sein!" wird so zumindest für einen Augenblick wahr.

    Smudo an der Spitze der Armee der Nackten

    Klaus Maria Brandauer zieht als Heinrich Heines "Schiffbrüchiger" ein bitteres Resümee - "hinter mir liegt nur Kummer und Elend" - und bietet dem Zuschauer sein schonungslos ausgeleuchtetes Gesicht dar. Meret Becker zeigt dagegen im Gedicht "Sozusagen grundlos vergnügt" von Mascha Kaléko das Leben als freudiges Ereignis. Sie spielt eine Blume, die sich über das Frühlingserwachen freut. Einen besonderen Auftritt hat der Musiker "Smudo", alias Michael B. Schmidt von den "Fantastischen Vier". Der Rapper läuft am Ende des Films zu den Klängen von Schillers "Ode an die Freude" und Beethovens Musik als Anführer eines Heeres nackter Männer voran, das sich in einer Schlacht einem Heer nackter Frauen gegenübersieht. "Wer würde es schon ablehnen, 250 nackte Männer gegen 250 Frauen in einen Krieg zu führen? - niemand", lautet Smudos Kommentar.

    Kerstin Friedrich, ddp

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