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  • Kritik: Plumpe "Schwarze Komödie"

    So einfach ist das: Eine junge Frau entsteigt dem Bus, und schon bald kommt Leben in die langweilige Kleinstadt im Hochsauerland. Ina, so heißt die zugereiste Fremde, bringt nämlich die männlichen Honoratioren auf Trab und rasch auch in ihr Bett.

    Den Ehefrauen der Verführten ist Ina selbstredend höchst suspekt. Nur Christine, die Angetraute des smarten Herrn namens Nase, Inas selbstherrlichstem Liebhaber, braucht sehr lange, bis sie kapiert, was gespielt wird. Als sie das aber schließlich tut, zieht sie auch die folgenreichsten Konsequenzen. Und danach herrscht wieder die gewohnte Ruhe in der Fachwerkidylle.

    Aber bis es so weit ist in Detlev Bucks neuem Film "LiebesLuder", der am 2. November in die Kinos kommt, passiert allerlei, auch mörderische Einlagen fehlen dabei nicht. Schließlich sollen wir ja einer "Schwarzen Komödie" zuschauen, die überdies noch das Kinodebüt von Deutschlands Comedy-Liebling ("Danke") Anke Engelke zu bieten hat. Die spielt recht überzeugend die treudoofe, zuletzt indessen unerwartet pfiffige Christine. Mavie Hörbiger verkörpert mit nicht gut nachvollziehbarer Anziehungskraft jene eiskalte Ina, die höchst virtuos die Männer gegeneinander ausspielt, am Ende aber auch selbst auf unschöne Weise ausgezählt wird.

    Buck, für Regie und das gemeinsam mit Ruth Toma verfasste Drehbuch verantwortlich, wirkt mit in dem Film als tapsiger Metzger Wusch, dessen Angst vor der Ehefrau größer ist als der Mut, sich auf die Versuchung der schönen Fremden einzulassen. Offenbar wollte er mit "LiebesLuder" eine rabenschwarze Komödie vor Fachwerkkulisse inszenieren. Und so nebenbei sollte wohl auch noch die Verlogenheit und mörderische Gier der Provinzhonoratioren demaskiert werden. Aber ach, zu all dem bedürfte es schon eines größeren Talents, als es diesem Filmemacher, der sich in ausgesprochener Selbstüberschätzung nur noch "Buck" zu nennen pflegt, zu Diensten ist.

    Wenn eine schwarze Komödie funktionieren soll, reicht es nämlich nicht, ein paar Knallchargen hinter einem Rock herrennen und ein Dummchen Vollgas geben zu lassen. Da müsste schon weit subtiler und bösartiger zu Werke gegangen werden. Aber das ist nun einmal nicht die Stärke deutscher Filmemacher, von Buck schon überhaupt nicht. Gleiches gilt auch für die Beobachtung des Provinzlebens. Der Film erweckt den dringenden Verdacht, dass Buck jedenfalls von der sauerländischen Variante nicht die geringste Ahnung hat, wohl aber von den finanziellen Segnungen der Regionalförderung seitens der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen.

    Am Anfang seiner Kinokarriere hat der Norddeutsche Buck immerhin atmosphärisch stimmige Filme vorgelegt. Mittlerweile ist der mit seinen letzten Produktionen erfolglose Buck nur noch eine Art Maskottchen der Branche: überall dabei, immer im Geschäft, aber schon lange nicht mehr beachtenswert. "LiebesLuder" beweist auch erneut, wie provinziell und mittelmäßig der deutsche Film in aller Regel ist. Und das liegt im akuten Fall keineswegs daran, dass seine Handlung in tiefster Provinz spielt. Welch aufregende Filme sich gerade vor diesem Hintergrund machen lassen, beweisen ausländische Streifen zur Genüge.

    Wolfgang Hübner, AP

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