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  • Kritik: Pierce Brosnans Produktions-Debut

    Möwen fliegen kreischend um die schroffen Felsen, als die wöchentliche Fähre vom Festland tutend in den kleinen Inselhafen von Inis Dara einläuft. Am Pier wartet der 55jährige Tony Egan, um seinen unbekannten Neffen aus New York abzuholen. Nach dem Tod seiner Mutter soll der Teenager beim irischen Onkel leben. Auf den farbigen Hip-Hopper mit Rastalocken, der die Reling herunterkommt, ist der eigenbrötlerische Bauer aber nicht gefaßt.

    "Der amerikanische Neffe" erzählt bittersüß die Geschichte des Aufeinandertreffens von Schwarz und Weiß, Großstadt und Dorf, Rap und Folk. Dargestellt wird sie von Irlands schauspielerischer Starriege: Donal McCann überzeugt als Tony Egan, Sinead Cusack als alleinerziehende Mutter, Pierce Brosnan ist der Gastwirt im Dorf. Es ist das Erstlingswerk des Iren Eugene Brady.

    "Ich mag Geschichten, die von den Menschen leben, von Charakteren. Immer nur Action nervt nach einer Weile" sagt Produzent und Schauspieler Pierce Brosnan. "Der amerikanische Neffe" ist der erste Film, den der James-Bond-Darsteller mit seiner neuen Firma "Irish Dream Time" produziert hat. Statt Schießereien, Sex und Spionage spielen in der Irlandidylle Sturheit und Schicksal die Hauptrollen.

    Der 17jährige Chad will die ominöse Flucht seiner Mutter ergründen, die ihre Heimat vor Jahrzehnten überstürzt verließ. Je hartnäckiger er Nachforschungen anstellt, umso mehr Risse bekommt die heile Welt des verschlafenen Inis Dara. Als der fremde Farbige dann auch noch eine Liebesbeziehung mit der Inselschönheit Aislin beginnt, formiert sich die Dorfgemeinschaft gegen ihn.

    Die verschlossenen Charaktere mit ihren tragischen Geschichten stellt Regisseur Brady in eine irische Bilderbuchlandschaft. "Ich liebe meine Heimat", sagt der Wahl-Kalifornier. "Das merkt man dem Film doch an." Die verklärte Sehnsucht nach der fernen Heimat verbindet ihn mit seinem großen Star und Produzenten. Auch für Brosnan ist Irland der Inbegriff von Zauber, Romantik, Mystik und Freiheit. Als James Bond sei er zwar berühmt geworden, sagt der Hollywood-Star. "Jetzt aber kann ich Sachen realisieren, die mir wirklich am Herzen liegen." Diese Irland-Hommage sei so ein Projekt.

    Brosnan und Brady entfalten zauberhafte Szenen voll Wehmut und Träumerei. Bei einem Begräbnis beispielsweise singt der New Yorker Teenager mit Inbrunst und Charme ein irisches Volkslied. Gleichzeitig bringt er Schwung in den irischen Bauernalltag: Jungfarmer Patsy rappt nach einigen Wochen mit Chad rhythmisch einwandfrei den Kelten- Klassiker "Whisky in the Jar" vom Traktor. Romantische Flirts in einer atemberaubenden Natur runden das Inselmärchen ab.

    Bei soviel Sehnsucht nach der heilen irischen Welt endet der Film, wie er enden muß. Chad klärt gegen alle Widerstände die Vergangenheit seiner Mutter und jahrzehntelange Fehden im Dorf auf. Getroffen von allzuviel Ablehnung und Feindseligkeit will er aber schließlich doch wieder abreisen. In letzter Minute holt ihn dann sein Onkel versöhnt und reumütig vom Schiff. Die Schlußsequenz zeigt einen von Rastalocken befreiten Chad, der seine rothaarige irische Freundin in die Arme schließt - auf der Märcheninsel ist er endlich angekommen.

    Anette Hornung, dpa

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