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  • Kritik: Pieces of Art

    Vielleicht ist das genau der Film, den Detlev Buck oder Sönke Wortmann gerne drehen würden: Er bewegt die Welt nicht und bringt auch die Filmgeschichte um keinen Schritt weiter, aber man schaut ihm für knappe zwei Stunden gerne zu und darf ihn dann ohne schlechtes Gewissen wieder vergessen. Und in den allerbesten Momenten erinnert Two Much sogar an die guten alten Screwball-Comedies, die auch vom Esprit der europäischen Emigranten profitiert hatten.

    Produzent Gomez, Regisseur Trueba, Kameramann Alcaine und Hauptdarsteller Banderas kommen allesamt aus Spanien. Trueba, der 1994 für Belle Epoque einen Oscar erhielt, hat auch das Drehbuch geschrieben - nach einem amerikanischen Roman; gedreht wurde in Miami, mit einer Handvoll Stars aus Hollywood und dem stattlichen Budget von 13 Millionen Dollar. Das Ergebnis zeigt, daß eine Komödie auch auf einem einzigen originellen Einfall aufbauen kann, wenn der nur intelligent und präzis genug ausgearbeitet wird.

    Obwohl Art Dodge eine Galerie betreibt, kennt er die Todesanzeigen besser als jede Kunstkritik; den trauernden Witwen dreht er Bilder an, die ihre Männer kurz vor dem Ableben angeblich bestellt, aber nicht bezahlt hätten. Es ist bloß eine Frage der Zeit, bis Art mit seiner linken Tour an den Falschen gerät und nur mit knapper Not den Schlägertypen von Gene Palletto entkommt - gerettet von dessen Exfrau Betty.

    Betty ist schwer reich, schnell verliebt und wild aufs Heiraten. Noch bevor der Galerist und verkrachte Maler seinen Rückzug planen kann, verliebt er sich in Bettys Schwester Liz, die ihm als schaumgeborene Aphrodite unter der Dusche gegenübersteht. Weil er auch noch Gene und seinen Handlangern entkommen muß, sieht er im Augenblick der äußersten Bedrängnis nur noch einen Ausweg: Art verleugnet seine Identität und gibt sich als sein eigener Zwillingsbruder Bart aus.

    Das Doppelleben eröffnet ihm zwar neue Möglichkeiten bei Liz, doch es entwickelt auch eine jähe Eigendynamik. Je perfekter er das Spiel von Sein und Schein betreibt, desto schneller muß Art die Rollen wechseln, und so forciert die Komödie unaufhaltsam ihre Gangart; die Auftritte von Art und Bart drängen zur unmöglichen Gleichzeitigkeit.

    Trueba hat das stetig wachsene Tempo seiner Verwechslungskomödie mit einem hinreißenden Gefühl für Timing in den Griff bekommen; der Rhythmus des Films scheint die Story wie von selbst zu tragen, bis sie sich dem Finale wie im Geschwindigkeitsrausch nähert. Der Spaß, den die Schauspieler dabei erkennen lassen, verstärkt zudem die Ironie, mit der sie ihren Figuren begegnen. So erreicht der Regisseur einen Punkt der Schwerelosigkeit, von dem aus kein Absturz mehr denkbar ist - selbst dann nicht, wenn Betty Rimbaud mit Rambo verwechselt.

    H. G. PFLAUM Spanien, USA 1995 - Regie: Fernando Trueba. Buch: Fernando und David Trueba . Kamera: Jos� Luis Alcaine. Schnitt: Nena Bernard. Musik: Michel Camilo. Darsteller: Antonio Banderas, Melanie Griffith, Daryl Hannah, Danny Aiello. Verleih: Buena Vista. 115 Minuten.

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