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  • Kritik: Peter Zinglers Leinwanddesaster "Alles nur Tarnung"

    Frankfurt/M (AP) Der Titel "Alles nur Tarnung" ist Warnung genug: Denn was sich im Regiedebüt des Drehbuchautors Peter Zingler 94 zählebige Minuten lang auf der Leinwand abspielt, ist ein als Knastkomödie getarntes Kinodesaster, das an längst überwunden geglaubte Zeiten einheimischen Filmschaffens erinnert.

    Über diesen unnötigsten Streifen des Jahres, der zudem noch miserabel gemacht ist, brauchte man nicht viele Worte zu verlieren, spielten darin nicht Schauspieler wie Mario Adorf und Heinz Hoenig mit. Und wäre da nicht die Tatsache, daß ein großer amerikanischer Verleih diesen Film in sein Programm aufgenommen hat.

    Die Handlung von "Alles nur Tarnung" ist schnell erzählt: Ein fideler Knast, oben die Männer, unten die Frauen, schrulliges Personal, fiese Typen, trostlose Kulisse. Die Hauptfiguren sind der alternde Ganove Willi, dargestellt von Mario Adorf, und sein Sohn Harry, gespielt von Ben Becker. Beide sitzen ihre Strafe in einer Zelle direkt über derjenigen von Jutta und Marlies ab. Jutta (Elke Sommer) ist eine verblühte Prostituierte, Marlies (Muriel Baumeister) eine zünftige Rockerbraut. Zwischen Harry und Marlies funkt es, Ausbruchspläne werden gewälzt, ein paar Lebenslügen werden enthüllt.

    Das ist alles, und es ist ebenso verlogen wie hausbacken. Von Komödie keine Spur, denn auch im wenig humorbegabten Deutschland lacht kaum jemand mehr auf diesem Niveau. Eine realistische Wiedergabe des Knastlebens ist "Alles nur Tarnung" ebenfalls nicht, wenngleich Autor und Regisseur Zingler meint: "Der Film zeigt ein Stück Leben, das die bürgerliche Gesellschaft nicht kennt. Die gezeigte Realität ist drastisch und provozierend und sicher für viele, besonders das gebildete Publikum, schwer nachzuempfinden."

    Zingler kann nur hoffen, daß wenige Besucher zu seinem Film finden. Denn dann wird sich die Zahl derer in Grenzen halten, die den ehemaligen Einbrecher mit Knasterfahrung der bewußten Irreführung beschuldigen könnten. Zingler ist stolz auf die Eigenfinanzierung des Films und den Verzicht auf Gelder aus den verschiedenen Fördertöpfen. Doch offenbar hat ihm diese an sich begrüßenswerte Einstellung den Blick für die eigenen Grenzen getrübt. Schon das mißglückte Drehbuch Zinglers für den Kinoflop "Peanuts - Die Bank zahlt alles", die Leinwandversion des Skandals um den Baulöwen Jürgen Schneider, hätte zumindest eine Warnung sein müssen.

    Um so unverständlicher, daß "Alles nur Tarnung" nun auch noch ins Deutschland-Programm amerikanischen Großverleihs UIP aufgenommen wurde. Das ist in zweifacher Weise keine gute Sache: UIP wird aller Voraussicht nach mit dem Film kein Geld verdienen, sondern Geld verlieren. Und die begrüßenswerte Entwicklung, daß US-Verleiher vermehrt deutsche Filme in ihre Verleihstaffeln aufnehmen und in den Kinos durchsetzen, wird dadurch wieder einen Rückschlag erhalten. Denn Hollywood liebt den Erfolg. Den wird "Alles nur Tarnung" allein deshalb nicht haben, weil sich niemand gerne mißratene Filme anschaut.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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