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  • Kritik: Peter Cattaneos Kinodebüt "Ganz oder gar nicht" - warmherzige, sozialkritische Komödie

    Peter Cattaneos Kinodebüt "Ganz oder gar nicht" - warmherzige, sozialkritische Komödie

    Frankfurt/M (AP) Sie ähneln nicht im entferntesten den "Chippendales" oder "California Dream Boys", sondern sind ganz gewöhnliche Männer. Als arbeitslose Stahlarbeiter aus Sheffield sieht die Zukunft von Gaz und seinen Freunden nicht gerade rosig aus, und schließlich greifen sie zum letzten Strohhalm: Ein Striptease-Auftritt soll ihnen aus der finanziellen Krise helfen.

    Robert Carlyle, Hauptdarsteller aus "Trainspotting", spielt den geschiedenen Vater Gaz, der dringend Geld benötigt, um das Besuchsrecht für seinen Sohn Nathan (William Snape) zu bekommen. Er hängt mit seinem schwergewichtigen Freund Dave (Mark Addy) auf dem Arbeitsamt und der Straße rum. Eines Tages beobachten sie heimlich eine Vorstellung der Chippendales, Eintritt zehn Pfund. Gaz rechnet hoch und sieht die Chance seines Lebens: Einmal wie diese amerikanischen Adonisse auftreten, und die Geldprobleme sind gelöst. Der ebenfalls arbeitslose Gerald bringt das Problem auf den Punkt: "Du bist dick, und du bis zu dünn."

    Nichtsdestotrotz hält Gaz an seiner Idee fest, und schließlich kann er eine Gruppe von sechs Männern mobilisieren: Der dicke Dave hat jegliches Selbstwertgefühl verloren und kommt sich als völliger Versager vor. Bis zuletzt hadert er mit sich und seinem Körper. Amateurtänzer Gerald (Tom Wilkinson) soll der Truppe zur Musik von Sister Sledge, Donna Summer und dem Tanzvideo von "Flash Dance" das Tanzen und etwas Choreographie beibringen. Als ehemaliger Vorarbeiter bringt er es nicht fertig, seiner Frau die Wahrheit zu sagen.

    Auf der Suche nach Verstärkung für ihre Strippertruppe rettet Dave dem hühnerbrüstigen, lebensmüden Lomper (Steve Huison) das Leben. Der gutgebaute Sunnyboy Guy (Hugo Speer) soll dank seiner beeindruckenden Männlichkeit das Zugpferd der Show werden. Der Schwarze Horse (Paul Barber), ein ehemaliger Tänzer, der mit zunehmendem Alter Probleme hat, seinem Image gerecht zu werden, soll der Truppe den tänzerischen Pep verleihen. Bis zum alles entscheidenden Auftritt, der ganz - also bis zum letzten fallenden String - oder gar nicht stattfinden soll, gibt es noch einige Aufregungen für das bald unzertrennliche Männerteam, das sich joggend, fußballspielend, und solariumbräunend auf den Auftritt vorbereitet. Der heiße Striptease ist bundesweit ab 30. Oktober zu sehen.

    Regisseur Peter Cattaneo ist mit seinem Kinodebüt ein wahrlich großer Wurf gelungen: Eine Komödie, die bei allem herzerfrischenden Humor genug Feingefühl für die drängenden Probleme der arbeitslosen Menschen in Sheffield hat. Der krasse Abstieg des "Solingen Englands" vom einstigem Wahrzeichen der britischen Wirtschaft zum abgewrackten Industrie-Schandfleck hat das Leben in dieser Stadt beschwerlich gemacht und seine Einwohner frustriert zurückgelassen. Allein auf sich selbst zurückgeworfen, klammert sich jeder im Kampf um die Existenzgrundlage auch an die kleinste Hoffnung.

    "Ganz oder gar nicht" weist ohne Bitterkeit auf die sozialen Mißstände hin und zeigt den engen Zusammenhang zwischen Striptease und Arbeitslosigkeit auf. Drehbuchautor Simon Beaufoy, selbst in Yorkshire geboren und aufgewachsen, griff als Thema das real existierende Phänomen auf, daß die wachsende Arbeitslosigkeit in Großbritannien schon in den 80er Jahren dem Striptease zu einem rasanten Aufstieg verhalf. Inzwischen ist er längst nicht mehr nur Frauensache.

    Die Charaktere der Strippercrew sind glaubwürdig und allesamt sehr sympathisch, so daß man unwillkürlich mitleidet und mitlacht. Dabei ist Cattaneos Botschaft klar: Auch wenn es dir noch so dreckig geht, gib niemals die Hoffnung auf, bewahr' die deinen Humor, es gibt immer einen Ausweg. Folglich sind die "Hot Metal", die viel weicher als ihr Name sind, am Ende zwar nicht reich, aber sie haben etwas viel Wesentlicheres gefunden: neue Hoffnung, Selbstachtung und wahre Freunde.

    Von AP-Mitarbeiterin Caroline Nees

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