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  • Kritik: Persiflage auf die EdgarWallace-Krimis

    Deutsche Komödien hatten es in diesem Jahr bisher nicht leicht an der Kinokasse. Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit musste Hape Kerkeling seinen «Samba in Mettmann» tanzen und Helge Schneider im «Jazzclub» spielen.

    Auch der aufwendig beworbene «Germanicus» wurde so sehr vom Publikum verschmäht, dass sich die Frage stellt, ob die Deutschen im Kino nicht mehr über sich selber lachen können. Die hiesigen Filmproduzenten haben die Hoffnung dennoch nicht aufgegeben, nach dem «Schuh des Manitu» endlich den nächsten ganz großen Lacherfolg zu landen. Mit der Krimi-Parodie «Der Wixxer» könnte dies jetzt gelingen.

    «Hallo, hier spricht Edgar Wallace»

    «Hallo, hier spricht Edgar Wallace». Millionen von deutschen Krimi-Fans stellten sich in den 60er- und 70er Jahren bei diesen Worten die Nackenhaare auf. Insgesamt 32 Mal kündigte eine kühle Stimme aus dem Off zu Beginn der Wallace-Streifen an, dass Scotland Yard neuerlich im neblig-nassen London die gruselige Jagd auf einen psychopathischen Mörder aufgenommen hat. Die zahlreichen Krimi- Adaptionen des englischen Schriftstellers (1875-1932) avancierten zur wohl erfolgreichsten deutschen Filmserie, selbst im Ausland sprach man damals anerkennend von der «German Wallace Wave».

    Illustre Runde deutscher Comedy-Stars

    Mit dem «Wixxer» (der nach Aufmerksamkeit heischende Titel lehnt sich an den ersten Wallace-Film «Der Hexer» an) hat eine illustre Runde deutscher Comedy-Stars die Krimi-Klassiker mit einer Parodie wiederbelebt. Es geht um mysteriöse Morde, die Londons Unterwelt erschüttern. Ein Killer ist in der Stadt; er hat es ironischerweise auf altbekannte Edgar-Wallace-Schurken abgesehen. Den «Mönch mit der Peitsche» hat er schon erwischt, der «Frosch mit der Maske» könnte folgen. Scotland Yard setzt natürlich seine besten Männer auf den Fall an: Inspector Very Long und Chief Inspector Even Longer.

    Oliver Kalkofe ermittelt im düsteren England

    Statt Blacky Fuchsberger oder Heinz Drache ermittelt heute der zynische Fernsehkritiker Oliver Kalkofe im düsteren England. Der ehemalige Wochenshow-Star Bastian Pastewka ersetzt den trotteligen Assistenten von damals, Eddi Arent. Abgesehen von diesen Personalveränderungen ähnelt «Der Wixxer» bis in kleinste Details seinen Vorbildern. Bereits die hingebungsvoll gestalteten Kulissen und Kostüme vermitteln dem Zuschauer das Gefühl, einfach nur eine weitere Folge der Edgar-Wallace-Serie zu sehen.

    Absurde Handlung und Klischee-Reichtum

    Diese akribische Anlehnung an die Klassiker verleiht der 83 Minuten dauernden Parodie ihren eigentlichen Charme. So lebt der Humor nicht nur von den obligatorischen Albernheiten der hochkarätigen Comedy-Riege bestehend aus Pastewka, Kalkofe, Anke Engelke und Olli Dittrich, sondern sorgt schon mit seiner absurden Handlung und einem Klischee-Reichtum (beides kennt man auch aus den originalen Edgar-Wallace-Filmen zu genüge) für Heiterkeit.

    Jeder Zuschauer hat etwas zu Lachen

    Der oft recht eigenwillige, bissige Humor der Gruppe um Kalkofe, hineichend bekannt von TV und Bühne, kommt auch im Kino gut an. So sollte eigentlich jeder Zuschauer dieser Komödie etwas zu Lachen haben: die Teenager, die vermutlich Edgar-Wallace nicht mehr kennen, aber sich köstlich über Ossi-Witze, Dieter-Bohlen-Gemeinheiten und Hitler-Veräppelungen amüsieren können und die Älteren, die sich an den vielen ironischen Anleihen an alte Krimiklassiker erfreuen.

    Viel Freiraum für schauspielerische Leistungen

    Regisseur Tobi Baumann hat mit seinem 4,7 Millionen Euro teuren Kino-Debüt gezeigt, was man von deutschen Parodien leider kaum noch erwartet: Sie können intelligent gemacht sein, einen roten Faden haben sowie den Darstellern Freiraum für schauspielerische Leistungen geben, was vor allem bei Oliver Kalkofe deutlich wird. Somit ist der «Wixxer» zwar das genaue Gegenteil von «Der Schuh des Manitu», aber kaum weniger Erfolg versprechend.

    dpa

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