40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Paul Schraders Film "Der Gejagte" - Charakterstudie mit hochkarätiger Besetzung
  • Kritik: Paul Schraders Film "Der Gejagte" - Charakterstudie mit hochkarätiger Besetzung

    Frankfurt/Main (AP) Ein mysteriöser Jagdunfall in der verschneiten Kleinstadt Lawford reißt Polizist Wade Whitehouse (Nick Nolte) aus seinem Alltagstrott. So beginnt der amerikanische Film "Der Gejagte", der am 12. Februar in die deutschen Kinos kommt. Wade glaubt nicht an einen Unfall und macht sich daran, den Vorfall aufzuklären. Während seiner Ermittlungen holt ihn seine Vergangenheit mehr und mehr ein. Die Probleme mit der geschiedenen Ehefrau, der gemeinsamen neunjährigen Tochter, seiner Freundin und seinem übermächtigen Vater lassen Wades Leben aus den Fugen geraten. Hilflos und unaufhaltsam steuert der Polizist auf eine Katastrophe zu.

    Wades Bruder Rolfe (Willem Dafoe) verließ schon vor vielen Jahren die Einöde und kommt erst beim Tod der Mutter für kurze Zeit zurück. Er ist der Erzähler dieser trostlosen Geschichte, die zunehmend schwer verdaulich wird und den Betrachter in den Sessel drückt. Wade hat den Absprung nicht geschafft und ist Gefangener in seiner kleinbürgerlichen Welt, gejagt von Kindheitserinnerungen an den gewalttätigen, alkoholsüchtigen Vater (James Coburn), den Wünschen und Bedürfnissen nach einer heilen Familie, Liebe und Geborgenheit. Symptomatisch plagen ihn schreckliche Zahnschmerzen, die mit dem Verlauf der Geschehnisse unerträglich werden.

    Wades Freundin, die sympathische Kellnerin Margie (Sissy Spacek), hegt zunächst noch typisch weibliche Illusionen, daß sich die Probleme ihres Freundes geben werden, daß er sich ändert, erwachsen wird und selbstverantwortlich handelt. Doch Wade kann nicht aus seiner Haut. Je mehr er versucht, Ordnung in sein zerrüttetes Leben zu bekommen, desto schlimmer wird die Situation, desto verfahrener wird seine Beziehung zu den Menschen, die er liebt.

    Schrader, Regisseur von "Taxi Driver" und "American Gigolo", präsentiert mit seinem neuesten Film "Der Gejagte" eine psychologische Studie über Vater-Sohn-Beziehungen und männliche Gewalt. Wer auf einen spannenden Krimi hofft, wie der deutsche Titel etwas reißerisch vermuten läßt, wird sicherlich enttäuscht sein. Der Mordfall ist nur Ausgangspunkt für eine Geschichte, die schließlich ganz andere Dimensionen annimmt.

    Schrader griff dabei auf den vielgepriesenen Roman von Autor Russell Banks zurück. Der Originaltitel der Buchvorlage "Affliction" (übersetzt: Schmerz, Leid, Bürde) trifft wesentlich genauer das eigentliche Thema des Films: die Charakterstudie eines verletzten, gewalttätigen Mannes, der seinem brutalen Vater und sich selbst nicht entfliehen kann und dadurch in einen unauflöslichen Konflikt gerät.

    Herausragende schauspielerische Leistungen bieten Nick Nolte als frustrierter Kleinstadtpolizist und Willem Dafoe als besonnener Bruder und Collegeprofessor. Auch James Coburn mimt den alkoholsüchtigen Vater Whitehouse sehr überzeugend. Sissy Spacek spielt glaubwürdig die Rolle von Wades Freundin Margie.

    Schrader ist es dank der hochkarätigen Besetzung und zahlreichen Rückblenden gelungen, die verschiedenen Charaktere mit ihren persönlichen Problemen und Sehnsüchten überzeugend von der Romanvorlage ins Filmische umzusetzen. Er schafft es jedoch nicht, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten; der Plot der Handlung geht verloren. "Der Gejagte" ist keine in sich abgeschlossene Geschichte, sondern bleibt nur ein Fragment und läßt den Zuschauer fragend, hilflos und ziemlich ermüdet zurück.

    Von AP-Mitarbeiterin Caroline Nees

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    -5°C - 4°C
    Montag

    -2°C - 4°C
    Dienstag

    0°C - 4°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!