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  • Kritik: Patriotische Materialschlacht auf Hawaii

    Erst mit dem Angriff gewinnt die Geschichte an Fahrt

    Dreiecks-Lovestory: Ben Affleck, Kate Beckinsale, und Josh Hartnett (v. re)

    Man nehme eine melodramatische Liebesgeschichte, umrahme sie mit einer großen historischen Katastrophe und würze das Ganze mit Atem beraubenden, computergenerierten Spezialeffekten: Mit diesem Rezept schuf James Cameron den bisher teuersten und erfolgreichsten Film aller Zeiten - seine Version vom Untergang des Luxusdampfers "Titanic". Gut drei Jahre später strebt Hollywood nun nach neuen Superlativen. 135 Millionen Dollar (300 Millionen Mark) machten die Disney-Studios für "Pearl Harbor" locker, einen Streifen, der wieder einmal Kino-Geschichte schreiben und Camerons Katastrophen-Epos vom Spitzenplatz verdrängen soll.

    Doch damit, so scheint es, haben sich der frühere Werbe-Filmer Michael Bay und Produzent Jerry Bruckheimer ("Armageddon") gründlich übernommen. Denn trotz einer bombastischen Materialschlacht, die den verheerenden Angriff japanischer Kampfflieger auf die US- Pazifikflotte am 7. Dezember 1941 mit ganzer Wucht auf die Leinwand zu bannen versucht, gelingt es "Pearl Harbor" nie wirklich, den Zuschauer in den Sog der historischen Ereignisse zu ziehen - es sei denn, er wäre selbst ein Kriegsveteran.

    Zu vordergründig zielt das dreistündige Werk auf den amerikanischen Nationalstolz, zu durchsichtig setzt es auf die Gefühle derer, die den Angriff erlebten. "Ich hoffe, die Veteranen sind stolz, wenn sie den Film ihren Kindern und Enkeln zeigen", sagte der Produzent vor der Premiere auf Hawaii. Den Rest der Welt hoffen Bruckheimer, Bay und Drehbuchautor Randall Wallace ("Braveheart") mit einer trivialen Liebesgeschichte zu begeistern, die trotz einer bezaubernden Hauptdarstellerin (Kate Beckinsale) seltsam blutleer bleibt. Die Handlung ist schnell erzählt:

    Die Jugendfreunde Rafe (Ben Affleck) und Danny (Josh Hartnett) begeistern sich für die Fliegerei und suchen beim Militär nach Herausforderungen. Als Rafe freiwillig nach Europa geht, um mit den Engländern gegen die Nazis zu kämpfen, lässt er auch seine große Liebe zurück, die bezaubernde Krankenschwester Evelyn (Beckinsale). Danny und Evelyn werden nach Pearl Harbor versetzt, wo sie die Nachricht erreicht, Rafe sei gefallen. In ihrer gemeinsamen Trauer kommen sich die beiden näher - bis der Totgeglaubte kurz vor der japanischen Attacke plötzlich wieder auftaucht.

    Erst mit dem Angriff gewinnt die Geschichte an Fahrt, kommen für gut 40 Minuten Spannung und Dramatik auf - Höhepunkt einer Fabel, die allzu berechenbar konstruiert ist und stets auf die größtmögliche Emotionalisierung der Zuschauer setzt. Dass Danny nach dem heroischen Angriff einiger Eliteflieger auf Tokio ums Leben kommt, ist ebenso absehbar wie die glückliche Zukunft von Rafe und Evelyn.

    Von "Monotonie unter Palmen", "holpriger Dramaturgie" und einer "künstlerischen Bruchlandung" war in ersten Kritiken hiesiger Medien die Rede. Selbst in den USA konnte "Pearl Harbor" die hohen Erwartungen zum perfekt geplanten Kinostart am "Memorial Day", dem Volkstrauertag, nicht erfüllen. Mit Einnahmen von rund 75 Millionen Dollar führte der Kriegsfilm zwar die US-Kinocharts sofort an, er lag aber weit hinter dem Rekordergebnis von Steven Spielbergs Dino- Spektakel "Jurassic Park", das am Memorial-Day-Wochenende 1997 rund 90 Millionen Dollar eingespielt hatte.

    Michael Kirner, dpa

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