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  • Kritik: Paraderolle für Gérard Depardieu

    Ein Tanzsaal in einem Hotel, irgendwo in der französischen Provinz. Leute kommen herein, setzen sich an die Tische, unterhalten sich lautstark.

    Auf der kleinen Bühne steht der Sänger Alain Moreau (Gérard Depardieu) vor einem silbernen Vorhang inmitten seiner Musiker. Eine glitzernde Discokugel dreht sich. Alain legt los mit seinem Programm, und sehr bald ist die Tanzfläche gefüllt. Die nicht geringe Mühe, einen solchen Laden in Schwung zu bringen, lässt sich der Profi dabei in keiner Sekunde anmerken.

    In Xavier Giannolis bewegender Romanze «Chanson d'Amour» überzeugt Gérard Depardieu als durch und durch routinierter Unterhaltungskünstler, der keinen Glamour versprüht, sondern ehrliche Arbeit abliefert. Ein Handwerker in Sachen Emotionen.

    Es geht ihm um sein Publikum, das er unterhalten will. Und natürlich möchte er die zumeist weiblichen, nicht mehr ganz jungen Fans betören und vielleicht verführen. Aber dann verliebt sich Alain ganz ernsthaft in die junge Immobilienmaklerin Marion (Cécile de France), die seine Tochter sein könnte. Eine unerhörte Beziehung nimmt ihren komplizierten Verlauf.

    Unter dem Vorwand, ein Haus zu suchen, verabredet sich der extrovertierte Alain immer wieder mit der eher scheuen Marion, die selbst Probleme hat. Sie lebt getrennt von ihrem kleinen Sohn, zu dem sie immer mehr den Kontakt verliert. Und eigentlich ist dieser Ballhaussänger mit den blond gefärbten Haaren und zu engen Anzügen ja ein ganz unmöglicher Typ.

    Erst allmählich merkt Marion, dass der polternde Casanova sehr feinfühlig und sensibel sein kann. Bei einem Tanztee im Altenheim geht er durch die Reihen, gibt einer alten Frau einen Handkuss und streichelt ihr die Wange. Und mit seiner Ex-Frau Michéle (Christine Citti), die immer noch seine Managerin ist, verbindet ihn mehr als nur Geschäftliches.

    Dem jungen Regisseur Xavier Giannoli gelingt mit «Chanson d'Amour» das feinfühlige Porträt eines französischen «Chanteur de bal», eines Sängers, der an die Glücksversprechungen in seinen Chansons wirklich glaubt. Und Depardieu singt alle Lieder selbst. «Mit Playbacks zu arbeiten, stand für uns nie zur Debatte. Ich wollte nicht, dass Gérard wie Pavarotti singt, sondern ich wollte einfach eine gute, professionelle Singstimme. Darum geht es ja in dem Film», so Giannoli.

    Alain Moreau bringt seine Kunst authentisch rüber. «Ich bin das Zentralmassiv», sagt er einmal zu seiner neuen Freundin, und das nimmt man ihm nun wirklich ab. Gemeinsam nehmen die beiden Tanzstunden, er unternimmt Ausflüge mit ihr zu den erloschenen Vulkanen in der Auvergne, erzählt aus seinem Leben. Am Ende bleibt alles offen, eine schöne Abschiedsszene in einem nächtlichen Café, keine Melodramatik.

    Johannes von der Gathen, dpa

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