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  • Kritik: Parabel über Sehnsüchte

    Es treffen sich ein pensionierter Literatur-Lehrer und ein alternder Bankräuber und stellen fest, dass sie eigentlich schon immer das Leben des anderen leben wollten. Der raubeinige Kriminelle mit Lederjacke und drei Pistolen sehnt sich nach stillen Abenden mit Poesie-Bänden und Pantoffeln und der sanfte Bücherwurm nach einem Leben voller Abenteuer, Risiko und Gefahr.

    So unrealistisch eine Annäherung zweier in völlig unterschiedlichen Welten lebender Männer erscheint, so traumwandlerisch ist auch der ganze Film «Das zweite Leben des Monsieur Manesquier» des französischen Regie-Meisters Patrice Leconte.

    Es ist eine langsame, poetische, auf subtile Art komische und vor allem auch eine sehr rührende Geschichte geworden - insbesondere Dank des damals bereits über 70-jährigen Jean Rochefort in der Rolle des Lehrers Manesquier. Rochefort, über Jahrzehnte ein Aushängeschild des französischen Films, lässt eine entwaffnende kindliche Naivität aus seinem schüchternen Lächeln scheinen. Und Johnny Halliday als der vermeintlich harte Milan, der in das verschlafene Kaff kommt, um die örtliche Bank auszurauben, liefert den Gegenpart: Das Porträt eines Mannes, der sein Leben lang ohne Blick zurück gelebt hat und auf einmal merkt, dass er schlicht alt geworden ist.

    Sie treffen sich zunächst zufällig in der Apotheke, das lokale Hotel hat zu, und Milan sucht notgedrungen in der riesigen zerfallenden Villa des Lehrers Unterkunft. Manesquier ist auf den ersten Blick eine charmante bis nervtötende Plaudertasche, doch hinter der harmlosen Fassade steckt eine tiefe Sehnsucht. Er verbrachte sein ganzes Leben in diesem Haus, in dieser Stadt und Milan liefert den Einblick in dieses andere, verruchte Leben, das er bislang nur aus Büchern und seinen Träumen kannte. Eigentlich wolle er schon seit Jahrzehnten die kleine Bank ausrauben, offenbart er am Anfang ausgerechnet dem verschlossenen Milan. Und als die beiden Männer sich näher gekommen sind, darf er mit Milans Pistole auf Konservendosen schießen.

    Allerdings ahnt man schon vom ersten Moment an, dass diese unmögliche Freundschaft nicht einen Hauch von Zukunft hat. Manesquier steht eine Herzoperation bevor und Milan will zur gleichen Zeit mit ein paar Kumpeln die Bank ausrauben. Man könne bei vielen seiner neueren Filme gleich am Anfang den Titel «Diese Geschichte wird schlecht ausgehen» einblenden, räumte auch Leconte in einem Interview ein.

    Der Trick an «Monsieur Manesquier» ist vielleicht, dass der Regisseur («Der Mann der Friseuse» oder zuletzt «Intime Fremde») gar nicht erst versucht, seiner Geschichte einen Anschein von Realität zu verleihen. Sie bleibt von Anfang bis Ende eine präzise konstruierte Parabel über die Sehnsucht nach einem anderen Schicksal - von den sympathischen Darstellern zum Leben erweckt.

    dpa

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