40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Palmetto
  • Kritik: Palmetto

    Volker Schlöndorff schwebte eine Hommage an den Film Noir vor: viel Atmosphäre, viel Erotik, weniger Logik. Daraus ist eine unfreiwillige Parodie geworden.

    John Huston rühmte sich, das Drehbuch zu seinem "Malteser Falken" nie wirklich verstanden zu haben. Sein Interesse galt nicht der Logik der Geschichte, sondern ihrer besonderen Stimmung - und die begründete den Stil einer ganzen Epoche. Die Geschichten des Film noir waren oft kompliziert, aber ihre Undurchsichtigkeit war Programm: Es waren düstere existentialistische Traktate, ihre Helden vom Leben betrogene Einsiedler, die verbittert dem unabwendbaren Schicksal trotzten.

    Auch Harry Barber (Woody Harrelson) gehört dem Anschein nach zu dieser Gattung. Der ehemalige Journalist saß zwei Jahre unschuldig im Gefängnis. Nach seiner Entlassung kehrt er zurück in seine Heimatstadt Palmetto, ein verschlafener Hafen in Florida. Hier verspricht er sich Wiedergutmachung für die verlorene Zeit hinter Gittern.

    Die attraktive Millionärsgattin Rhea Malroux (Elisabeth Shue) zündet ein Licht der Hoffnung in seiner Tristesse. Sie bietet ihm einen Job, der von Harry gerade so viel kriminelle Energie verlangt, wie er mit den Resten seiner ehedem rechtschaffenen Gesinnung vereinbaren kann. Mit der fingierten Entführung ihrer Stieftochter Odette (Chloe Sevigny) will sich Rhea finanzielle Unabhängigkeit von ihrem Mann verschaffen. Harry soll als Erpresser in Erscheinung treten und sich seinen Einsatz mit zehn Prozent des Lösegeldes vergüten. Er willigt ein, die Gefahr scheint kalkulierbar, aber in seiner Rechnung steht noch eine Unbekannte.

    Volker Schlöndorff hat sich einen alten Wunsch erfüllt. Mit der Verfilmung von James Hadley Chases Roman "Dumme sterben nicht aus" hat er einen Genrefilm gedreht: einen Krimi, so schwarz wie die Vorbilder, die er als Jugendlicher im Kino bestaunte. Er hat gut zugesehen, die Bilder sind noch wach: schattige Interieurs mit exakt plazierten Lichtinseln, die immer etwas weniger erhellen als für das Verständnis der Zusammenhänge nötig wäre; dazu eine überspitzte Erotik, die den Protagonisten und den Zuschauer an den Fortgang der Geschichte fesseln. Das hat Eleganz und zeugt von einem geschulten Film-noir-Auge.

    Aber nicht jedes dunkle Bild findet automatisch Anschluß an die Schwarze Serie. Die logische Verkettung der Indizien und die psychologische Verstrickung der Figuren verschränken sich in den Originalen eines Huston oder Hawks zu magischen Chiffren für die geistige Depression der Zeit. - Bei Schlöndorff sind es blasse Imitate vom kurzlebigen Schick eines Videoclips. "Palmetto" verweist allein auf die pubertären Kinoerlebnisse seines Regisseurs. Da fehlt der philosophische Kern, die konsistente Stimmung, hinter der selbst inhaltliche Ungereimtheiten zurücktreten und im weltanschaulichen Subtext aufgehen.

    Schlöndorff schnürt eine Mogelpackung, die er wohl im verwirrenden Geflecht einer komplizierten Story verstecken möchte. Doch in den überstürzten Handlungswendungen wirkt am Ende nur noch parodistisch, was als Hommage gedacht war. Der Film hat nur sich selbst zum Inhalt.

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    1°C - 8°C
    Samstag

    5°C - 7°C
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!