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  • Kritik: Palmetto

    Volker Schlöndorff ist ein sympathischer Mann mit großen Verdiensten um den deutschen Film. Nun nähert sich der Oscar-Preisträger dem 60. Lebensjahr, die beim Publikum durchgefallene teure Literaturverfilmung "Der Unhold" liegt noch nicht lange zurück. Sie hat Wunden bei dem Regisseur gerissen. Nach einer solchen Niederlage kann man aufgeben, vom früheren Ruhm zehren oder etwas ganz anderes machen. Schlöndorff hat sich für die letztere Möglichkeit entschieden. Davon zeugt sein neuer Film "Palmetto", der am 2. April in die deutschen Kinos kommt. Aber leider wird nicht alles, was neu und anders ist, deshalb schon gut.

    "Palmetto" erzählt nach dem Krimi "Dumme sterben nicht aus" des britischen Autors James Hadley Chase die Geschichte eines Mannes, der zwei Jahre unschuldig in Haft gesessen hat und nach seiner Entlassung in eine teuflische Intrige verstrickt wird. Harry Barber, so heißt der junge Mann, erkennt spät, warum die verführerische Rhea ihn so bereitwillig heißen Sex gewährt. Und fast zu spät wird er gewahr, daß er dabei nur Objekt eiskalt kalkulierter Interessen ist. Damit bringt er auch seine schöne Freundin Nina in höchste Gefahr. Vor der sonnigen Kulisse Floridas gibt es schließlich ein dramatisches Finale.

    Schlöndorffs vierter amerikanischer Film ist zugleich der allererste Krimi seiner langen Kinokarriere. Produzent Matthias Wendlandt war es, der den gebürtigen Wiesbadener auf den Roman von Chase aufmerksam machte, und der Filmemacher sah endlich die Möglichkeit, Urlaub von schweren Themen zu machen und einmal richtig Spaß zu haben. Aber im Kino sollen nun einmal vor allem die Zuschauer Spaß haben. Der ist indessen trotz abwechlungsreicher Handlung und Floridas Attraktivität nicht ungetrübt. Denn Schlöndorff und seinem Drehbuchautor E. Max Frye ist kein großer Wurf und wohl auch kein Kinohit gelungen.

    Es stört zwar kaum, daß beide die Handlung aus den 50er Jahren in die Gegenwart verlegt haben. Aber das ganze Geschehen wirkt wie Amerika aus der Retorte. Es ist seltsam, wie wenig die fast durchweg aus Hollywood stammenden Darsteller an diesem Eindruck zu ändern vermögen. Der Blick Schlöndorffs auf den Schauplatz der fintenreichen Geschichte bleibt der eines Fremden, was mit einem zu großen Verlust an Atmosphäre bezahlt wird. Selbst das könnte vielleicht verkraftet werden, wenn die Dramaturgie weniger schleppend, einige wichtige Szenen sorgfältiger inszeniert worden wären. Vielleicht war der Etat dafür nicht ausreichend.

    Richtig ärgerlich ist die groteske Fehlbesetzung der beiden wichtigsten Frauenrollen. Dabei hätte "Palmetto" mit der sanften Blondine Elizabeth Shue und der lauernden Schönheit von Gina Gershom eigentlich seine größten Trümpfe haben können. Doch die Entscheidung, den sexbesessenen Vamp Rhea ausgerechnet von Shue, die treue Nina hingegen von der erotischen Gershom verkörpern zu lassen, kann nicht nachvollzogen werden. Shue muß sich sehr anstrengen, verworfen zu wirken. Gershom hingegen, die mit einem Blick schon Sex zu signalisieren vermag, kümmert in ihrer Rolle lieblos dahin.

    Ganz gut hält sich Woody Harrelson im Hauptpart des Harry Barber. Zwar spielt Harrelson etwas penetrant den mürrischen Journalisten, der zwischen alle Frauen und Intrigen gerät. Aber der Schauspieler aus der zweiten Reihe der Hollywood-Helden ist ein Typ für sich, das ist nicht wenig. "Palmetto" hingegen gehört zu den Filmen, die jeder Kinobesucher schon einmal oder mehrmals im Kino und Fernsehen gesehen zu haben glaubt.

    Wolfgang Hübner, AP

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