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  • Kritik: Packender Thriller

    Die Kamera gleitet über Zeitungsausschnitte, die ein Stück Zeitgeschichte der 80er Jahre widerspiegeln: Kalter Krieg, das Waldsterben und AKW-Demos. In Brokdorf rennt ein junger Mann wütend gegen einen Bauzaun an und wird von den Wasserwerfern der Polizei erfaßt. Auch zuhause rebelliert Karl Koch (August Diehl) gegen seinen erzkonservativen Vater.

    Rückhalt findet er in "Illuminatus", einem Roman des amerikanischen New-Age-Philosophen Robert Anton Wilson, der ihm das Erklärungsmodell für eine Weltverschwörung liefert. Eine Schlüsselrolle spielt darin die Zahl 23, das Datum, an dem große Anarchisten starben.

    Mit seinem packenden Kino-Thriller "23 - Nichts ist so wie es scheint" ist dem Regisseur Hans-Christian Schmid ein vielschichtiges Porträt über den Computer-Hacker Karl Koch gelungen, der sich als 23jähriger am 23. Mai 1989 das Leben nahm. Auf dem Internationalen Filmfestival in Locarno wurde der Regisseur für dieses Werk mit dem Nachwuchspreis "Euro 26" ausgezeichnet. "Im Ausland scheint es ein großes Interesse für die achtziger Jahre in Deutschland zu geben", meint Schmid, der aufwendige Recherchen betrieben und viele Interviews mit Zeitzeugen geführt hat.

    "Einige von ihnen haben uns bestätigt, daß sich manche Szenen unseres Films genauso in der Realität ereignet haben. Dazu gehört zum Beispiel die Sequenz, in der Karl versucht, während der Fahrt aus dem Auto auszusteigen", erzählt der Regisseur. Zunächst genießt Koch nach dem Tod seines Vaters eine bis dahin ungekannte Freiheit und verpraßt mit ausgelassenen Parties sein Erbe. Seine Selbstbestätigung findet er am Computer. Bei einer Tagung des Chaos Computer Clubs lernt er den jungen Hacker David (Fabian Busch) kennen, der sein engster Freund wird. Während ihrer Exkursionen durch die Datennetze treten zwei zwielichtige Typen an sie heran: Ein untergetauchter Programmierer und ein Kokain-Dealer, die ihnen das Angebot machen, gegen Bezahlung dem KGB geheime Informationen aus westlichen Großrechnern zuzuspielen.

    Die nächtlichen Sonderschichten am Computer steht der Hacker nur noch mit Kokain durch. Auch der Erwerb eines Großrechners aus dem Jülicher Kernforschungszentrum erweist sich als Pleite. Um sich aus seiner finanziellen Klemme zu befreien, bietet er einem Fernsehreporter an, vor laufender Kamera die Brennstäbe eines Kraftwerks zu manipulieren. Inzwischen wird er bereits vom Bundeskriminalamt beschattet. Als Karl für das KBG in eine Computer- Datei russischer Atomkraftwerke eindringt, wird am nächsten Morgen in den Nachrichten der Reaktorunfall von Tschernobyl bekanntgegeben. Voller Schuldgefühle betäubt sich Karl mit Drogen und irrt im strömenden Regen halbnackt durch Hannover. Doch aus seiner Welt, in der Wahn und Wirklichkeit dicht beieinander liegen, gibt es für ihn kein Entrinnen mehr.

    Mit seinem zweiten Spielfilm ist Schmid ein kleines Meisterwerk gelungen, das nicht nur das Innenleben von Karl Koch überzeugend verdeutlicht, sondern auch liebevolle Reminiszenzen an die achtziger Jahre bietet. Produziert wurde "23" von dem Münchener Team Jacob Claussen und Thomas Wöbke, auf deren Konto Schmids Regiedebüt "Nach Fünf im Urwald" und Caroline Links für den Oscar nominierter Film "Jenseits der Stille" geht. "Bei '23' war es mir sehr wichtig, ohne großen Zeitdruck mit den Schauspielern arbeiten zu können", berichtet der Regisseur, "um die Produktionskosten nicht zu sehr in die Höhe zu treiben, haben wir den ganzen Film aus der Hand gedreht und auf technisch aufwendige Szenen verzichtet."

    Birgit Heidsiek, dpa

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