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  • Kritik: Ozon lässt spielen, singen und intrigieren

    Paradebeispiel einer Kinokultur

    Da ist die hochmütig elegante Gaby, die Ehefrau des Toten; da gibt es Mamy, ihre alte Mutter, sowie Gabys und Marcels Töchter, die hübsche Studentin Suzon und das naseweise Nesthäkchen Catherine. Dazu noch die frustrierte ältliche Jungfer Augustine, Gabys Schwester, und die abenteuerlustige Pierette, Marcels rassige Schwester.

    Die 108 wunderbarsten Kinominuten des Jahres

    Die zwei restlichen Frauen rangieren zwar sozial unter den Damen der Familie, sind aber keinesfalls zu unterschätzen: Die dunkelhäutige Haushälterin Chanel und das aufreizend erotische Zimmermädchen Louise. Das ist das Personal, mit dem ab dem 11. Juli Zuschauer des französischen Films "Acht Frauen" von Francois Ozon die 108 wunderbarsten Kinominuten des Jahres verbringen können. Denn was der Fassbinder-Bewunderer mit den weiblichen Stars unseres westlichen Nachbarn auf die Leinwand gezaubert hat, ist so vergnüglich, geistvoll, komisch, tragisch und sogar musikalisch, dass es ohne Übertreibung als Kinowunder gepriesen werden kann.

    Boulevardkomödie brillant umgesetzt

    Das ist nicht nur dem erst 34-jährigen Ozon zu verdanken, der auch das Drehbuch nach einer schon leicht angestaubten Boulevardkomödie von Robert Thomas verfasste. Es sind auch die großartigen, vor Spielfreude fast berstenden Darstellerinnen, die den Film zum Ereignis machen: Zum Beispiel die 84-jährige Danielle Darrieux, einst und noch immer eine glänzende Erscheinung des französischen Kinos. Sie ist natürlich die Großmutter, die längst nicht so hinfällig ist, wie sie tut. Es ist die greise Darrieux, die mit "Il n'y a pas d'amour heureux" das schönste und melancholischste Chanson aller acht Mitwirkenden, von denen jede einen Gesangsauftritt hat, mit brüchiger Stimme vorträgt.

    Und da sind drei berühmte Schauspielerinnen, jede auf ihre Art ganz unverwechselbar: Die 58-jährige Diva Catherine Deneuve in der Rolle der Hausherrin Gaby; die 52-jährige Fanny Ardant, Witwe von Francois Truffaut, als Pierette; die 46-jährige Isabelle Huppert als Mauerblümchen Augustine. Wie gut die Huppert dramatische Partien gestaltet, war bekannt. Wie brillant sie als Komödiantin agiert, ist einfach sensationell und ganz allein das Eintrittsgeld wert. Die schöne Emmanuelle Beart mimt dazu so aufreizend wie hinreißend das laszive Zimmermädchen, die ebenso schöne, allerdings wesentlich jüngere Virginie Ledoyen gibt sanft-durchtrieben die Studentin.

    Frankreich - Pech im Fußball, Glück im Kino

    Ludivine Sagnier als Nesthäkchen Catherine und Firmine Richard als Haushälterin komplettieren ein weibliches Ensemble, das vier Generationen des französischen Kinos repräsentiert. "8 Frauen" dokumentiert eben auch die Kinokultur eines Landes, das seine einheimischen Stars schätzt und verehrt. Francois Ozon bewegt sich traumwandlerisch sicher in dieser Kultur. Bereits in jungen Jahren hat er nun einen Film vorgelegt, der alle Aussichten hat, zum Klassiker des geistvollen Unterhaltungskinos zu werden. Frankreichs Fußballer haben jüngst versagt, auf die gallischen Filmemacher bleibt Verlass.

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