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  • Kritik: "Othello" und "Richard III" brillant verfilmt

    Hamburg (dpa). Was William Shakespeare über Höhenflüge und Abgründe der menschlichen Seele zu sagen hat, ist auch nach 400 Jahren aktuell wie am ersten Tag - es trifft mitten ins eigene Herz. Mehr als zwei Dutzend mal wurden die Komödien und Tragödien des britischen Dramatikers bislang verfilmt. Große Namen wie Orson Welles und Sir Laurence Olivier setzten cineastische Meilensteine. An diesem Donnerstag (14.3.) kommen mit "Richard III" von Richard Loncraine und Oliver Parkers "Othello" nun gleich zwei neue Filme nach Shakespeare-Vorlagen in die deutschen Kinos.

    In beiden Fällen dabei: Ein Menschenfeind, der kaltschnäuzig und intrigant die eigenen Machtränke schmiedet und seine Umgebung dem Untergang weiht. Sowohl Richard III. (Ian McKellen) als auch Othellos gerissener Gegenspieler Jago (Kenneth Branagh) sind Schurken per se, wahrhafte Teufel. Gemein ist den beiden Anti-Helden auch, daß sie sich in Anlehnung an die Shakespeare'sche Bühnen-Tradition mit direktem Blick in die Kamera wenden - und das Publikum mit charmant-bösem Lächeln zu ihrem Komplizen machen. Dennoch sind die zwei Literatur-Verfilmungen nicht über einen Kamm zu scheren.

    Der renommierte Theaterregisseur Oliver Parker siedelt seinen Film-Einstand "Othello" im klassischen Ambiente an, dem Venedig des 16. Jahrhunderts. Anders als in Orson Welles wegweisender Verfilmung von 1949/52 stellt Parker die Beziehung von Othello - mit dem bestechenden Laurence Fishburne erstmals ein Schwarzer in der Rolle des "Mohren von Venedig" - und einer sinnlichen Irene Jacob als Desdemona in den Mittelpunkt.

    Verräter Jago, von Shakespeare-Fachmann Branagh mit ungekannter Bosheit zum Leben erweckt, bestimmt zwar letztlich das Schicksal der Liebenden. Doch wirkt sein intrigantes Ringen um Macht auch immer wie ein trotziger Reflex auf die starken positiven Gefühle Othellos und Desdemonas, die Jago versagt bleiben. Während Orson Welles die Männer-Geschichte vom starken Heeresführer und seinem untreuen Untertanen verfilmt, erzählt Parker von der großen und auch zerstörerischen Macht der Liebe. In Sachen Eindringlichkeit gelingt der Sprung über Jahrhunderte hinweg mühelos.

    Richard Loncraine versucht den Tyrannen Richard III. seinem Publikum dadurch näherzubringen, daß er ihn in einem imaginären faschistisch-geprägten England der 30er Jahre ansiedelt. Der machtgierige bucklige Despot, von Laurence Olivier 1956 noch im Königsgewand gespielt und mehrfach preisgekrönt, wird bei Loncraine mit einem betörend-präsentem McKellen zum hochdekorierten Militär. Parallelen zu Hitler, Mussolini und Stalin liegen nahe. "Ich habe den Film stark stilisiert, um Bilder des 20. Jahrhunderts mit Texten des 16. Jahrhunderts zusammenzubringen", sagt Loncraine. Diese Stilisierung nimmt dem Film jedoch zugleich wieder die Nähe, die der Zeit-Transfer bringen sollte.

    Mit Annette Bening als Königin Elizabeth ist dem Tyrannen eine hochkarätige weibliche Besetzung an die Seite gestellt. Dennoch wird "Richard III" zum Solo für McKellen. Mit brachialer Gewalt macht er sich - auch schauspielerisch - zum Zentrum der Geschichte. Das schwelgerisch-dekadente Ambiente der 30er Jahre paßt zur maßlosen Gier des Tyrannen. McKellen kommentiert: "Ich hoffe, die Zuschauer erkennen die verschiedenen Seiten des Mannes und sein großes Potential, das er für absolut falsche Zwecke einsetzt - was nichts daran ändert, daß er eine attraktive Figur ist."

    Von Eva Derenbach, dpa

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