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  • Kritik: Oscar-Dokumentarfilm "When We Were Kings" - legendärer Titelkampf in Zaire 1974

    Frankfurt/M (AP) Der emotionale Höhepunkt der diesjährigen Oscar-Verleihung war der Moment, in dem ein kranker, übergewichtiger Mann zitternd die Goldstatuette dem gerührten Publikum entgegenreckte. Der Mann heißt Muhammad Ali, eine Sportlegende. Es war ein später Triumph für den besten Schwergewichtsboxer aller Zeiten und für einen Film, der 22 Jahre von den Dreharbeiten bis zur Fertigstellung brauchte. So ungewöhnlich wie der Inhalt des mit den höchsten Ehren bedachten amerikanischen Dokumentarfilms "When we were kings" ist auch seine Entstehungsgeschichte.

    Leon Gast, der Schöpfer des Films, war 1974 dabei, als Ali seinen Kampf um den Welttitel gegen den für unbesiegbar gehaltenen George Foreman in der zairischen Hauptstadt Kinshasa austrug. Doch was sich da im Herbst jenes Jahres im Herzen Afrikas zutrug, war mehr als ein Boxkampf: Es war ein historisches Ereignis für die Schwarzen in den USA und des Kontinents, von dem sie einst als Sklaven entführt worden waren. Fast ein Vierteljahrhundert später macht "When we were kings" noch einmal klar, welche Faszination von diesem Kampf, seinem Umfeld, aber insbesondere von seinem Hauptdarsteller Ali ausging.

    Es gehört zu den Vorzügen dieses Films, daß er auch die mitreißende Rhythmen hören läßt, die von den nach Zaire mitgereisten Musikern wie James Brown, B.B.King und anderen damals dargeboten wurde. Eigentlich wollte Regisseur Gast ohnehin nur ein Musikfestival schwarzer Amerikaner in Zaire drehen, doch dann wurde der sensationelle Boxkampf vereinbart, und Gast hatte einen noch viel attraktiveren Anlaß für seine Filmexpedition auf den schwarzen Kontinent. Einen echten Helden bekam er mit dem damals 32jährigen Ali dazu noch praktisch umsonst geliefert.

    Bekanntlich wurde der von aller Welt mit Hochspannung erwartete Kampf, der sprichwörtlich gewordene "Rumble in the Jungle", kurzfristig wegen einer Trainingsverletzung Foremans verschoben. Die sechswöchige Wartezeit haben Gast und sein Team genutzt, die unvergleichliche Ausstrahlung von Alis Person und seine Popularität bei den einheimischen Massen zu dokumentieren. Die Zairer feierten den Mann, der von sich sagte: "Ich lebe in Amerika, aber Afrika ist die Heimat des schwarzen Mannes. Vor 400 Jahren war ich ein Sklave, und nun fahre ich nach Hause, um bei meinen Brüdern zu kämpfen."

    Gast drehte damals 100.000 Meter Film - und kehrte völlig pleite zurück in die USA. Über zwanzig lange Jahre dauerte es, bis aus dieser riesigen Materialmenge ein 85minütiger Streifen entstand, der nun endlich den Weg in die Kinos findet. Auch für Nicht-Boxfans ist "When we were kings" ein Leinwanderlebnis, das den Besuch jede Minute lohnt, ist der Film doch auch ein Zeitdokument. Und ein Tribut an Ali, der großer Boxer und große Persönlichkeit zugleich war und letzteres noch immer ist.

    Produzent David Sonenberg sagt, warum er für die Herstellung des Films sein Geld riskierte: "Muhammad Ali ist einer meiner wenigen echten Helden. Seine Intelligenz, sein Charme, sein Witz und seine Anmut sind so außergewöhnlich, daß ich immer noch eine Gänsehaut bekomme, wenn ich ihn auf der Leinwand sehe." Den deutschen Kinobesuchern wird nun die Möglichkeit gegeben, dieses Gefühl zu teilen. Sie sollten die Gelegenheit nutzen.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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