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  • Kritik: Originelles Filmdebüt - tragikomisch:

    Eine fanatische Revolutionskämpferin und ihr Sohn sind die Helden des schrägen, tragisch-komischen Films "Children Of The Revolution", der jetzt in die deutschen Kinos kommt. Die Geschichte blendet zurück ins Sydney des Jahres 1949: Als überzeugte Kommunistin kämpft die Australierin Joan Fraser hartnäckig für die Revolution in ihrem Land.

    Ihre glühende Verehrung für den sowjetischen Gewaltherrscher Stalin führt sie schließlich nach Moskau, nachdem sie zuvor schon durch ihre leidenschaftlichen Briefe die Herzen der russischen Führungselite erobert hat - besonders das des Diktators. Die einzige Liebesnacht mit diesem hat Folgen für Joan, Stalin und den Rest der Welt.

    Nach Stalins plötzlichem Tod kehrt die schwangere Kommunistin nach Australien zurück. Dort heiratet sie ihren langjährigen Freund und Verehrer Welch unter der Bedingung, daß er sich als Vater ihres Kindes bekennt. Sohn Joe soll ganz in die Fußstapfen der Mutter treten, die ihn schon von Kindesbeinen an auf alle möglichen Demonstrationen mitschleppt.

    Bald muß Joan jedoch erkennen, daß ihr Sohn zwar ein Kind der Revolution ist, aber eine ganz andere Richtung als sie einschlägt. Und als Joe sich bei einer Demo auch noch in eine Polizistin verliebt, wird für Joan allmählich klar, daß sie ihren Sohn an die "andere Seite" verlieren wird.

    Je älter Joe wird, desto offensichtlicher wird seine wahre Herkunft. Nicht nur sein Aussehen läßt seine Umwelt die Ähnlichkeit zwischen ihm und seinem wahren Vater erkennen. Joes zunehmender Hang zu Macht stürzen seine Mutter in Konflikte, und auch für ihn nimmt das Leben eine tragische Wende. Neben all diesen politischen und familiären Spannungen steht Vater Welch, ein einfacher Möbelschreiner, ganz hilflos da. Auch sein Leben gerät schließlich aus den Fugen.

    Dem 31jährigen, australischen Regisseur Peter Duncan ist mit seinem Spielfilmdebüt ein erstaunlicher Wurf gelungen, der autobiographische Züge trägt. Duncans konnte sich an seiner eigenen Familiengeschichte orientieren: Der Großvater war ein überzeugter Stalinist, die Eltern streng konservativ. "Children Of The Revolution" gewann in Australien mehrere Preise. Denn der Regisseur meistert hervorragend den schwierigen Balanceakt zwischen dem nötigen Ernst für das brisante politische Thema und komödienhafter Leichtigkeit. Dazu tragen ganz besonders die sympathischen Darsteller in dieser mit schwarzem Humor gewürzten Geschichte bei.

    Judy Davis, die unter anderem in Woody Allen-Filmen mitwirkte, geht ganz auf in ihrer Rolle als liebende Mutter und Revolutionskämpferin. Für die Rolle der Joan Fraser wurde sie mit dem australischen Oskar als beste Schauspielerin geehrt. Konnte man Geoffrey Rush ehemals in "Shine" als so begnadeten wie weltentrückten Pianisten bewundern, leidet man nun mit ihm als liebenswert hilflosem Ehemann und Vater.

    In einer Nebenrolle agiert der in Hollywood etablierte Sam Neill als undurchsichtiger Doppelagent Nine, der auch von Joan fasziniert ist. Er gab Duncan seine Zusage, weil ihn das Ambivalente der Geschichte reizte: "Ich weiß nicht genau, ob es eine Komödie, eine Tragödie oder eine Dokumentation ist". Dies wird auch für den Zuschauer die Frage bleiben. "Children Of The Revolution" ist von allem ein bißchen und hält für jeden Geschmack etwas parat.

    Caroline Nees, AP

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