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  • Kritik: Originelle Typen in einem etwas zu originellen Film

    Wenn die Donau auf ihrem langen Weg zum Schwarzen Meer in das Grenzgebiet von Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien kommt, ist sie ein breiter Strom. Die Menschen, die an und auch von ihm leben, sind ein buntes Völkergemisch. Hier sind Zigeuner keine Außenseiter, sondern Teil einer Lebenskultur, die sehr weit entfernt ist vom hektischen Getriebe Mitteleuropas. An das erinnert eigentlich nur das vorherrschende, oft in dicken Bündeln gezückte Zahlungsmittel, die Deutsche Mark, sowie die eleganten Schiffe mit wohlhabenden Touristen auf dem Weg zum Donaudelta.

    Sie fahren zu schnell vorbei, um so herrliche Typen wie dem Zigeuner Matko, seinem Sohn Zare, dem alten Grga Pitic in seinem verrückten Rollstuhl, dem brutal-jovialen Gangster Dadan, dem Riesen Grga oder der Zwergin Afrodita zu begegnen. Nur gut, daß wir zumindest im Kino viel mehr über sie erfahren können. Denn Emir Kusturicas Film "Schwarze Katze, weißer Kater" zeigt sie uns in einer oft absurden, aber stets lebensprallen Kinogeschichte, die ab 28. Januar in Deutschland endlich zu sehen ist.

    Bereits im Vorjahr hat der in Frankreich lebende Jugoslawe Kusturica mit diesem Streifen den Regiepreis beim Festival in Venedig gewonnen. Der in Sarajevo geborene Künstler konnte mit all seinen bislang sechs Kinofilmen Preise gewinnen, das internationale Publikum begeisterte er 1989 mit seiner großartigen Zigeunersaga "Time of the Gypsies". In den letzten Jahren machte Kusturica eine Krise durch, wollte gar Abschied vom Filmemachen nehmen. Aber solche ohnehin nicht recht nachzuvollziehenden Absichten eines erst 44jährigen hielten nicht lange vor. "Schwarze Katze, weißer Kater" ist der Beweis dafür.

    Es macht einfach Spaß, dieser voller Spielfreude agierenden Schar aus Berufs- und Laienschauspielern zuzuschauen. Bajram Severdzan, der den schlitzohrigen Versager Matko verkörpert, kommt aus der ältesten Roma-Siedlung der mazedonischen Hauptstadt Skopje und arbeitet in einer Tabakfabrik, Grga Pitic-Darsteller Sabri Sulejmani ist ein Rentner, der früher in Zagrebs Hauptbahnhof Schuhe putzte. Und der Riese Grga heißt im wirklichen Leben Jasar Destani, seines Zeichens bärenstarker Schmelzer in der Eisenfabrik von Skopje.

    Es ist eine Bereicherung, daß uns Kusturica mit all diesen originellen Typen bekannt macht. Aber die ursprüngliche Faszination von "Time of the Gypsies" hat der Film nicht, das Geschehen wirkt oft konstruiert, überturbulent und überinszeniert. Der Regisseur verrät, wenngleich unfreiwillig, daß er ein wenig die Bodenhaftung verloren hat: "Ich fühle mich wie ein Zauberer im Zirkus: Ich stelle die Elemente auf ihren Platz, und hopp, animieren sie sich magisch wie von selbst."

    Gleichwohl gibt es eine Episode in dem Geschehen, das am Schluß übrigens und nicht unerwartet zwei Paare zusammenführen wird, die fast allein schon den Kinobesuch lohnt: Das ist das halbwilde Schwein, das offensichtlich mit Genuß die Karosserie eines abgewrackten Trabbis vertilgt. Für Kusturica eine Szene mit tieferer Bedeutung: "Für mich war dieses Bild des einsamen Schweins an der Biegung einer Straße, das dabei ist, einen Trabant zu fressen, fast wie ein Bild meines Landes."

    Wolfgang Hübner, AP

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