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  • Kritik: Opfermut der IRA-Helden läßt Mütter verzweifeln

    Frankfurt/M (AP) - Am 7. Mai 1981 nahmen 100.000 Menschen am Begräbnis des IRA-Anhängers Bobby Sands teil. Der Anführer eines Hungerstreiks im britischen Gefängnis war als erster gestorben; neun Häftlinge sollten ihm in den Tod folgen. Der Spielfilm "Some Mother's Son - Mütter Söhne", der am 13. Februar in einige deutsche Kinos kommt, wagt sich an dieses dramatische Kapitel des Nordirland-Konflikts in der Thatcher-Ära.

    Der Film stellt den Sinn der Menschenopfer in Frage, indem er das Dilemma der Mütter in den Mittelpunkt stellt. Sie standen vor der Frage, ob sie ihre zum Sterben entschlossenen Söhne für einen politischen Zweck verhungern lassen sollten. Die Ereignisse sind in dem Film historisch genau wiedergegeben, aber die Hauptfiguren sind erfunden.

    Eine von ihnen, die verwitwete Lehrerin Kathleen Quigley, hat sich als Pazifistin ihr Leben lang aus der Politik ihres Landes herausgehalten. Daß ihr Sohn Gerard die IRA unterstützt, erfährt sie erst, nachdem er an Weihnachten 1979 mit dem flüchtigen IRA-Anführer Frank Higgins verhaftet worden ist. Im Gefängnis teilt Gerard die Zelle mit Bobby Sands.

    1976 hatte die britische Regierung der IRA den vier Jahre zuvor gewährten Sonderstatus entzogen, so daß die Häftlinge nicht mehr Privatkleidung tragen durften. Aus Protest trugen die Gefangenen statt der Gefängniskleidung Wolldecken auf der nackten Haut. Ende Oktober 1980 begannen sie mit Hungerstreiks. Sinn Fein, der politische Flügel der IRA, stellte den bereits lebensgefährlich abgemagerten Bobby Sands als Kandidaten für das britische Parlament auf. Er wurde gewählt, aber Premierministerin Thatcher weigerte sich, den Häftlingen Zugeständnisse zu machen.

    In Sorge um ihre Söhne befreunden sich im Film die Mütter von Gerard und Frank trotz konträrer Ansichten und unterschiedlicher Herkunft. Kathleen Quigley lebt in einer gutbürgerlichen Welt, Annie Higgins ist eine bodenständige Farmersfrau und glühende Anhängerin der IRA. Die Schauspielerinnen Helen Mirren und Fionnula Flanagan verleihen diesen Frauen große Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit. Ihre bewegende Darstellung, die Atmosphäre der Authentizität und die spannende Erzählweise lassen "Mütter und Söhne" zu einer herausragenden Produktion werden.

    Dabei hat wieder das Team zusammengearbeitet, das mit "Im Namen des Vaters" Aufsehen erregte. Die Geschichte von vier Männern, die zu Unrecht für ein IRA-Attentat ins Gefängnis kamen, bekam 1994 den "Goldenen Bären" der Berlinale. "Ohne das Wissen, daß man auch ein schwieriges politisches Thema als unterhaltsame und bewegende Geschichte erzählen kann, wäre dieser Film nie entstanden", sagt der gebürtige Nordire Terry George, der bei "Mütter und Söhne" erstmals Regie führte. Er erwartet, daß der Film Kontroversen auslöst: "Die Frage nach dem eigentlichen Sinn des Hungerstreiks ist heute noch schmerzhaft und unbeantwortet."

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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