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  • Kritik: "Open Source" gegen Bananensoftware

    Blauäugiges Plädoyer für grenzenlose Internet-Freiheit

    Ebenso wie in der Realität, in der Gates in einen langwierigen Prozess mit dem amerikanischen Justizministerium gegen die Monopolstellung von Microsoft verstrickt war, geht es auch im Film - im Original heißt er "Anti-Trust" - um die marktbeherrschende Position eines Software-Konzerns.

    Milo Hoffman (Ryan Philippe, der Schönling aus "Eiskalte Engel") ist eines jener Computergenies, die in einer Garage vor sich hin tüfteln und das Computer-Establishment mitsamt seiner "Bananensoftware" (reift beim Anwender) aus tiefstem Herzen verachten. Zusammen mit anderen Wunderknaben hat er ein High-Tech-Startup gegründet und steht kurz vor dem Durchbruch einer bahnbrechenden Entwicklung: digitale Konvergenz. Alle Formen digitaler Kommunikation wie Telefon, Computer und Fernsehen sollen per Satellit - kostenlos - miteinander verbunden werden.

    An derselben, allerdings gebührenpflichtigen, Version arbeitet auch der Computer-Papst Gary Winston, der Milos großes Vorbild ist. Und so lässt Milo sich von Winston abwerben, zum Entsetzen seiner Kumpel, und zieht mit Freundin Alice an die kalifornische Pazifikküste. Zunächst ist er beeindruckt vom coolen Ambiente in Winstons Denkfabrik, in der lauter unkonventionelle junge Leute an den Tastaturen sitzen.

    Der charismatische Winston - Tim Robbins lässt in seiner Darstellung gekonnt eine nur mühsam gezügelte Paranoia durchscheinen - kümmert sich persönlich um Milo. Dann wird Milos bester Freund Teddy ermordet. Milo entdeckt, dass Winston etwas damit zu tun hat und verschafft sich Zugang zu geheimen Dateien der Company. Seine Welt zerfällt in Scherben: Winstons vielbeschworene "Kreativität" ist ein Synonym für Ideendiebstahl und Mord, und seit langem hat er ein lückenloses Überwachungsnetz über alle Computerfreaks geworfen. Auch über Milo weiß er restlos alles, inklusive seiner gesundheitlichen Schwächen. Milo kann niemandem mehr trauen.

    Recht bald entwickelt sich zwischen Milo und Winston ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, in dem Milo verzweifelt versucht, Verbündete zu finden. Statt visueller Spielereien verlässt sich der Film in der Darstellung der virtuellen Welten auf nüchterne Bilder, in denen etwa Milo vorm Bildschirm sitzt und das Passwort sucht. So bleibt auch der schwer darstellbare technische Hokuspokus anfangs transparent.

    Leider aber verknotet sich die zunächst geradlinige Krimi-Handlung immer willkürlicher und konfuser; keiner ist, was er scheint, Gute und Böse werden planlos ins Feld geführt, und mancher Computerlaie unter den Zuschauern ist schneller im Begreifen als die Protagonisten.

    Gut gemeint, aber allzu überschwänglich, lassen die Filmemacher am Ende ihren Sympathien für die "Open Source"-Bewegung - freier Zugang zu Software für jeden - freien Lauf und versteigen sich, durch den Mund des idealistischen Milo, zu naiv-pathetischen Aufrufen. Dabei beruft sich der britische Regisseur Peter Howitt auf die Gedanken abtrünniger Internet-Entwickler wie Clifford Stoll, die seit langem blauäugig dafür plädieren, dass die Menschheit doch lieber zum Beispiel Klarinette lernen möge, statt Geld und Freizeit mit dem Internet zu verplempern.

    Aber man freut sich doch, dass ein Guru als Scharlatan entlarvt wird, und dass sich Winstons/Gates' Wortgeklingel a la "Global Village" als Bluff entpuppt, bei dem es nicht um bessere Lebensqualität für alle, sondern um Geld und Macht für wenige geht. Wo sonst in Filmen unkritisch für High-Tech-Konsum geworben wird, ist es erfrischend, einmal ein Plädoyer gegen den digitalen Overkill zu hören. Es erinnert daran, dass der Computer Probleme löst, die man vorher nie hatte.

    Birgit Roschy, AP

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