40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Oliver Stones "U-Turn" mit sensationeller Besetzung:
  • Kritik: Oliver Stones "U-Turn" mit sensationeller Besetzung:

    Lebenskünstler Bobby hat kein Glück. Endlich hat er die 13.000 Dollar in der Tasche, um seine Spielschulden zu bezahlen, da platzt ihm auf dem Weg nach Las Vegas der Kühlerschlauch seines Wagens. Orientierungslos landet Sean Penn in Oliver Stones neuem Film "U-Turn" in dem halbverlassenen Wüstenkaff Superior, in dem sich hinter der Fassade des Normalen abartige Dinge abspielen. Als Bobby erkennt, daß er wieder einmal die falsche Abzweigung genommen hat, ist es schon zu spät: Längst ist er Hauptfigur in einer Intrige, an deren Ende Gewalt und Mord stehen.

    Starregisseur Oliver Stone ("Platoon", "Wall Street", "JFK-Tatort Dallas") meldet sich mit einem Meisterwerk voll schwarzen Humors zurück, das nicht zu seinen sonst so hoch politischen und moralisierenden Filmen passen will. "U-Turn - Kein Weg zurück", der Filmtitel, ist Programm für seinen Anti-Helden Bobby, der in die Fänge der skurrilen Einwohner von Superior gerät und keinen Ausweg mehr findet. Der Zuschauer fühlt sich an die bizarre und surreale Welt von Kultregisseur David Lynch ("Blue Velvet", "Wild at Heart") erinnert. Trotz seiner makaberen Momente steckt der zwischen grotesker Komödie und finsterem Alptraum pendelnde Film voller Ironie.

    Für die atemberaubende Geschichte um Intrigen, Sex und Mord versammelte Stone eine sensationelle Besetzung, an deren Spitze Sean Penn ("Dead Man Walking"), Nick Nolte ("Kap der Angst", "Herr der Gezeiten") und Jennifer Lopez ("Anaconda") als Protagonisten einer tödlichen Menage a trois stehen. Kultcharakter verleihen dem Film die skurrilen Nebenfiguren: Da ist der bizarre Automechaniker Darrell (Billy Bob Thornton), ein blinder Indianer (Jon Voight), der wie ein antiker Seher den Lauf der Dinge vorhersieht, und die naive Dorfschönheit Jenny (Claire Danes) mit ihrem Freund Toby N. Tucker (Joaquin Phoenix), die Bobby das Leben in Superior zur Hölle machen.

    "Diese Art von Film habe ich noch nie gemacht", bekennt Stone. Die Geschichte folge den Gesetzen eines Film noir, tatsächlich funktioniere sie eher wie ein Western. "Ich denke, daß die Figuren nicht unbedingt schäbig, sondern ehrlich sind. Am Ende sympathisiert man mit ihnen, weil man weiß, daß man sich selbst womöglich auch so verhalten würde, wenn die Umstände einen dazu zwingen." Mit seinem assoziativen Filmstil - extrem rhythmischer Schnitt, unterschiedliche Belichtungen - visualisiert Stone die Gedankengänge seiner Protagonisten und gewährt einen Blick in das Innere ihrer Seele.

    Während Bobby (Sean Penn) auf die Reperatur seines Wagens wartet, lernt er die bildhübsche Grace (Jennifer Lopez) kennen. Sie macht ihm eindeutige Angebote, doch bevor sich die beiden näherkommen, taucht ihr Mann Jake McKenna (Nick Nolte) auf. Bobby nimmt Reißaus, doch Jake folgt ihm und bittet ihn, seine Frau umzubringen. Bobby lehnt entsetzt ab und will Superior so schnell wie möglich verlassen. Doch dazu kommt es nicht mehr: Bei einem Überfall wird ihm sein Geld abgenommen, sein Geschäftspartner hetzt ihm einen Killer auf den Hals und sein Wagen ist immer noch Schrott. Verzweifelt nimmt Bobby Jakes Angebot an. Doch Grace kann ihn davon überzeugen, lieber ihren Mann zu beseitigen. Es kommt zu einem blutigen Show-down in der Wüste.

    Stone versteht "U-Turn" als einen "Skorpione-in-einem-Eimer- Filme", in denen sich die Figuren selbst zerfleischen, während sie versuchen aus dem Eimer zu klettern. "U-Turn" ist aber auch ein schmerzvoller Film über die Liebe. Jake McKenna geht an ihr zugrunde. "Ich hasse sie zu haben." - "Sie ist alles, was ich hab'", sagt er einmal über Grace. Und Grace und Bobby könnten sich gegenseitig aus ihrer Verzweiflung retten, wenn sie sich nur vertrauen würden. "Glaubst Du an gar nichts?", fragt Grace. "Ich glaube an diesen Augenblick", ist seine Antwort.

    Carola Große-Wilde, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -5°C - 2°C
    Montag

    -3°C - 2°C
    Dienstag

    -2°C - 4°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!