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  • Kritik: Nur ein bisschen DogmaKino

    Der Kampf um die neue Einbauküche wühlt die Durchschnittsfamilie im wohlgeordneten Dänemark viel mehr auf als der Kampf gegen den Terrorismus. Susanne Bier packt in ihrem neuen Film «Brothers - Zwischen Brüdern» beides zusammen.

    Für das spannende Ergebnis hat sie den Preis der Hamburger Filmkritik und in den USA beim Sundance-Festival den Publikumspreis bekommen. Und sie hat damit die erstaunlich lange Reihe von bei Publikum und Kritik gleichermaßen erfolgreichen dänischen Filmen pünktlich zum zehnten Jahrestag des Kopenhagener Manifestes «Dogma 95» noch ein bisschen länger gemacht.

    «Ein bisschen nach Dogma '95 riecht es ja noch,» sagt die 44-Jährige über ihre Filmgeschichte des Berufssoldaten Michael (Ulrich Thomsen), der in seinem schönen Einfamilienhaus mit der schönen Ehefrau Sarah (Connie Nielsen) und zwei netten Töchtern immer alles auf die Reihe kriegt (bis auf die Einbauküche). Ulrich kommt als UNO-Offizier nach Afghanistan. «Es wird nichts passieren, worauf wir nicht vorbereitet sind», beruhigt er seine Soldaten - und wird selbst als Gefangener der Taliban extrem grausamen, mittelalterlichen Anfechtungen ausgesetzt, für die er bis zum Ende keine Worte finden kann.

    Familienidylle ein für alle Mal Vergangenheit

    Daheim hat man ihn schon für tot gehalten. Als Ulrich zurückkehrt, ist die skandinavische Familienidylle ein für alle Mal Vergangenheit. Seinen jüngeren Bruder Jannick (Nikolaj Lie Kaas), Ex-Knastbruder, Trinker und auch sonst das schwarze Schaf in der Familie, hat der Rückkehrer durchaus begründet im Verdacht, Ehefrau Sarah nicht nur beim Eindübeln der Küchenelemente über schwere Stunden hinweg geholfen zu haben. Ulrich dreht durch und zertrümmert mehr als nur die Einbauküche.

    Mit unsentimentalen, souverän eingesetzten Bildern von der Handkamera zeigt Bier die sehr unterschiedlichen Strategien ihrer Hauptpersonen beim Zusammenbruch ihres gewohnten Lebens. Interessant, weil nuanciert und klischeefrei, erzählt der Film von der Beziehung zwischen der sich als Witwe wähnende Connie und dem kleinen Bruder des Verschollenen. Für ihn ist plötzlich mehr drin als die Rolle des ewigen Versagers.

    «Familie in Zeiten des Krieges»

    «Habt ihr's miteinander getrieben?», will Ulrich nur wissen, aber der Zuschauer erfährt viel mehr. «Liebe ist eben nicht nur Begehr, sondern vor allem auch Fürsorge», sagt die Regisseurin. «Familie in Zeiten des Krieges» wäre kein unpassender Titel für diesen zwischen unaufgeregter Beobachtung und mächtigen melodramatischen Effekten unerschrocken wechselnden Beziehungsfilm.

    Er verlässt dabei nie eine leicht eingängige psychologische Ebene. Das Ende kann man als tröstlich oder unerträglich kitschig empfinden - genau wie die ganz und gar nicht den Dogma-Forderungen nach filmischer «Reinheit» entsprechende Musikuntermalung. Aber Lars von Trier und seine drei Mitschöpfer haben die Regeln ja zum zehnten Jahrestag auch gerade eingestampft.

    dpa

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