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  • Kritik: Nur die Hoffnung zählt

    Verbindung von Härte und Poesie

    Wer aber vor den Realitäten unserer Welt die Augen nicht verschließen will, muss "Lilja 4-ever" aushalten können und sollte sich von Regisseur Moodysson in eine heruntergekommene Vorstadt irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion mitnehmen lassen.

    Dort wohnt Lilja (Oksana Akinshina) mit ihrer Mutter (Ljubov Agapova). Das Leben der Menschen ist geprägt von dem Wunsch zu entkommen. Liljas Mutter hat es geschafft. Ihr Freund nimmt sie mit nach Amerika - Lilja bleibt zurück. Damit beginnt der kontinuierliche Abstieg des Mädchen. Sie muss die Wohnung räumen, geht nicht mehr zur Schule, hat irgendwann überhaupt kein Geld mehr. Ihre Tante empfiehlt der 16-Jährigen, in die Stadt zu gehen und die Beine breit zu machen. Liljas Freundin macht das - und sie selbst irgendwann auch.

    Menschlichkeit erfährt Lilja zunächst nur von dem elfjährigen Volodya (Artiom Bogucharskij), der bei ihr Unterschlupf findet und sie eigentlich nie mehr verlassen möchte. Doch dann begegnet sie Andrei (Pavel Ponomarjov), der sie nach Hause fährt, ohne dafür mit ihr schlafen zu wollen und ihr einen Job und ein glückliches gemeinsames Leben in Schweden verspricht. Lilja packt ihre Tasche und verlässt - wie einige Monate zuvor ihre Mutter - die ungeliebte Umgebung.

    Ohne Andrei reist sie nach Schweden und wird dort in eine Trabantenstadt von Malmö gebracht. Hier ist es nicht weniger trist als in Russland, aber für Liljas Leiden hält Schweden doch noch eine bis zur Unerträglichkeit gehende Steigerung bereit.

    Moodyssons Film, der 2002 in den Kategorien Bester Film und Beste Schauspielerin für den Europäischen Filmpreis nominiert war, fesselt durch die Verbindung von Härte und Poesie. In rascher Folge zeigt er mit fast unerträglicher Brutalität in Nahaufnahme die Gesichter der keuchenden Männer, die Lilja besteigen. Dann wieder setzt er Zeichen der Hoffnung. Das Motiv des Schutzengels zieht sich durch den ganzen Film. Im Traum wachsen Lilja und Volodya Flügel - auch eine Möglichkeit, der eigenen engen Welt zu entfliehen.

    Die Frage, ob es irgendeine Hoffnung für Leute gibt, deren Leben einer Hölle gleicht, sei für ihn existenziell, sagt Moodysson. Das sei es, was er mit dem Film zu erklären hoffe. Er selbst glaube, dass es diese Hoffnung gibt. "Es gibt jemanden, der über uns wacht. Das mag uns nicht helfen, aber die Hoffnung ist alles, was wir haben. Wir brauchen sie, um in dieser Welt überleben zu können."

    Ulrike Geist, ddp

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