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  • Kritik: Nostalgisches Schuldrama

    Frankreich 1949. Im tiefsten Winter tritt der arbeitslose Musiker Clément Mathieu (Gérard Jugnot) in der Provinz eine Stelle als Hilfslehrer in einem Internat für schwer erziehbare Kinder an. Allem Anschein nach ein pädagogisches Himmelfahrtskommando.

    Wie ein Gefängnis oder eine verwunschene Festung wirkt die abbruchreife Lehranstalt, die von dem sadistischen Direktor Rachin (Francois Berléand) mit eisernen Hand regiert wird. Behutsam und nicht ohne Angst nähert sich der stille Monsieur Mathieu den verschlossenen, aggressiven Schülern und findet schließlich einen Weg zu ihren Herzen.

    Mit seinem nostalgisch gefärbten Schuldrama «Die Kinder des Monsieur Mathieu» gelang Regisseur Christophe Barratier in Frankreich ein sensationeller Überraschungserfolg. Sein Spielfilmdebüt (Originaltitel: «Les Choristes») lockte mehr als sieben Millionen Zuschauer in die Kinos. Produziert wurde diese im besten Sinne altmodische und zutiefst humanistische Internatsgeschichte von dem sechsfachen Oscarpreisträger Arthur Cohn («Central Station», «Hinter der Sonne»).

    Schulchor gegen Frustration

    Natürlich hat es der etwas pummelige Monsieur Mathieu am Anfang höllisch schwer. Die verwahrlosten Pennäler verhöhnen ihn als «Eierkopf», tanzen ihm auf der Nase herum, klauen seine Aktentasche voller Notenblätter und sind maßlos erstaunt über diese komischen Schriftzeichen und Linien.

    Mathieu dagegen gibt sich gelassen und zeigt Interesse an den Kindern und ihren zumeist traurigen Schicksalen. Er ist neugierig, und hat eines Nachts eine glänzende Idee: Der Musiklehrer gründet einen Schulchor und verscheucht damit allmählich die Grabeskälte und Frustration im Internat. Ganz nebenbei entdeckt er das große Gesangstalent von Pierre (Jean-Baptiste Maunier), einem ehedem besonders renitenten Zögling.

    Pädagogik als Wechselspiel

    Wie jeder gute Lehrer lernt Mathieu auch von seinen Schülern - Pädagogik als Wechselspiel. Dies ist die fast schon utopisch anmutende, zeitlos gültige Grundidee von Barratiers engagiertem Film. Ein hehres Ideal wird hier spielerisch entwickelt. Der Lehrer lehrt die eigenen Choräle und Lieder, und die jungen Sänger geben ihm alles zurück. Das Licht der Musik erleuchtet schließlich die düsteren Gänge und Schlafsäle - auf den Flügeln des Gesangs überwinden die Jungen die Mauern des Internats. Es ist Frühling geworden. Ein schlichtes Happy End gibt es trotzdem nicht.

    Fast zwangsläufig erinnert Barratiers exzellent besetzter, sehr eindringlicher Film an einen anderen französischen Überraschungserfolg des vergangenen Jahres, die Dokumentation «Sein und Haben» von Nicolas Philibert. Darin ging es um den mühsamen, aber immer an den Schülern ausgerichteten Alltag in einer Zwergschule.

    dpa

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