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  • Kritik: Noch "lebensechtere" Tricks als im ersten Teil

    Frankfurt/M (AP) Wenn ein Film allein in den USA weit über 200 Millionen Dollar einspielt, aber nur 75 Millionen gekostet hat, dann kann ihm keine Kritik der Welt mehr etwas anhaben. "Vergessene Welt", das zweite Saurier-Drama von Steven Spielberg, ist nicht weniger erfolgreich als sein Vorgänger "Jurassic Park", noch perfekter in den Tricksequenzen und ebenso schlicht in der Dramaturgie.

    Es ist ein Spektakel, das fast jeder Kinogänger auf der Welt gesehen haben will, und gerade deshalb mit Erwartungen verbunden wird, den kein Film einlösen könnte. Auch "Vergessene Welt", ab 7. August in den deutschen Kinos, scheitert an solchen Ansprüchen, die allerdings von einer immer größeren PR-Maschinerie erst in diesem Ausmaß geweckt werden. Immerhin garantiert das Abenteuer mit den liebenswerten Freßmaschinen akzeptable Unterhaltung.

    Wer "Jurassic Park" gesehen hat, also viele Millionen auf der ganzen Welt, der kennt natürlich John Hammond und Dr. Ian Malcolm. Der eine, abermals gespielt vom alten Richard Attenborough, hatte die urzeitlichen Monster auf der menschenleeren Insel Nublar vor Costa Rica zum Leben erweckt, der andere, wiederum vom langen Jeff Goldblum verkörpert, sein Leben nur mit Mühe vor den freigewordenen Sauriern gerettet. Nach der Tötung der Riesentiere schien alles wieder im Lot. Doch Hammond vertraut Malcolm Ungeheuerliches an: Auf der Nachbarinsel Sorna sei eine neue Saurier-Population entstanden, zu denen auch fleischfressende Killerwesen gehörten.

    Malcolm hat aufgrund seiner Erfahrungen nicht die geringste Lust auf eine Wiederbegegnung mit den Weltsensationen. Doch als er hört, seine Freundin Sarah, eine Paläontologin, halte sich schon auf Sorna auf, bricht er auf zu einem neuen nervenzerfetzenden Abenteuer. Als er eintrifft, findet er die von der zierlichen Julianne Moore gespielte Sarah zwar wohlauf vor. Und die Beobachtung der von einer raffinierten Tricktechnik belebten Saurier ist für Malcolm wie für den Kinobesucher höchst bestaunenswert. Aber schon droht Gefahr von einer anderen Expedition auf Sorna, und Spielbergs Spannungskino kommt in Fahrt.

    Fast 130 Minuten kommt das Publikum in "Vergessene Welt" auf seine Kosten, insbesondere während einer brillant gestalteten und fotografierten Szene, in der zwei gruselerregende T-Rex-Monster auf der Suche nach ihrem verletzten "Baby" einen Container-Wagen mit den Wissenschaftlern fast über die Strandklippen in die Tiefe befördern. Doch nicht alles im Film ist von solch atemberaubender Qualität. Die Gewalttätigkeiten haben leider im Vergleich zu "Jurassic Park" eher zugenommen, das macht schon die Eröffnungsszene deutlich. Und im furiosen Finale überdreht Spielberg einfach zu sehr, weniger wäre besser gewesen.

    Denn er variiert hier nicht nur den spektakulären Schlußgag von "Speed 2" mit dem außer Kontrolle geratenen Schiff, sondern teilt auch schon vorbeugend einen Seitenhieb gegen Roland Emmerichs kommendes "Godzilla"-Remake aus. In den allerletzten Szenen ist indessen Spielberg pur zu bewundern: Dann findet nämlich die für Menschen so tödlich gefährliche Saurierfamilie wieder zusammen, und alles wird wieder gut. Der Regisseur wie Autor David Koepp wissen halt, was sie ihren vor allem kindlichen Zuschauern schuldig sind.

    Spielberg hat in seiner Karriere nie einen Zweifel gelassen, daß er fürs Massenpublikum arbeitet, dem wird er nicht untreu, schon gar nicht in einem Streifen wie "Vergessene Welt". Trotz der grandiosen Trickeffekte, für die Stan Winston, Dennis Muren und Michale Lantieri verantwortlich zeichnen und damit gewiß auch Anwärter für eine ganze Reihe Oscar-Nominierungen sind, scheint der Saurier-Stoff allerdings nach diesem Film ausgereizt. Das ist ironischerweise gerade die Folge davon, "daß die Dinos noch glaubhafter als im ersten Teil wirken", wie der Regisseur mit Recht sagt. Doch was so glaubhaft wirkt, verliert leider auch an Sensationswert. Also, Meister Spielberg, wir verlangen nach Neuem!

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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