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  • Kritik: Noch ein verfilmtes Musical aus New York

    Das Gute an verfilmten Musicals ist, dass die besten Sitzplätze weniger kosten und Sound und Effekte oft besser sind als in den Live-Shows. Es ist kein Monat her, dass Mel Brooks' Kitschkomödie «The Producers» in die deutschen Kinos kam. Nun folgt die von Robert de Niro mitproduzierte Rockoper «Rent» (Miete) um das Lotterleben der New Yorker Bohème in den Zeiten von Drogen und Aids. Der Vertrieb versichert zwar, dass diese beiden Beispiele nicht der Beginn einer Reihe von Musicalfilmen ist. Aber sicher ist, dass auch in Deutschland der Markt für Musicals wächst.

    Die Mischung aus mitreißender Musik, Tanz und Schauspiel in «Rent» ist nicht nur etwas für Musicalfans. Vor allem Freunde von Musikclips kommen auf ihre Kosten. Gleichwohl schlagen der handwerklich versierte Regisseur Chris Columbus («Mrs. Doubtfire», «Harry Potter») und sein Kameramann Stephen Goldblatt mit den teils sehr langen Einstellungen und dann 134 Minuten Gesamtlänge über die Stränge.

    Fast das gesamte Personal der Broadway-Show von Jonathan Larson findet sich im Film wieder. Larson erlebte die Erfolgsgeschichte, zu der auch ein Pulitzer-Preis (Drama) gehört, nicht mehr. Er starb 35- jährig kurz vor der Premiere 1996. Columbus erzählt diese moderne Variante von Giacomo Puccinis Oper «La Bohème» in gedämpften Farben. Das raue Künstlerleben spielt im New Yorker East Village der 80 Jahre. Unter dem Druck von Mietschulden leben hier der Musiker Roger und der Filmemacher Mark in einer Art Fabrikhalle.

    Beide trauern ihren Freundinnen nach. Mark hat die Künstlerin Maureen an eine Frau verloren. Die weibstolle Rassefrau (Idina Menzel) «heiratet» die aus besten Kreisen stammende Anwältin Joanne, bestens besetzt mit Tracie Thoms. Und Roger schliddert nach dem Tod seiner heroinsüchtigen Freundin geradewegs in eine neue Beziehung mit der kranken Stripperin Mimi. Immer gibt die Musik der Geschichte ihren Halt - das sind rockige Nummern, oft härter als in der Originalfassung, aber auch Balladen und sogar ein Tango.

    Ausdrucksstark und ausgefeilt bis in die letzte Note

    Die kraftvollen Stimmen der Akteure sind ohne Übertreibung ein Ereignis, ausdrucksstark und ausgefeilt bis in die letzte Note. Arrangiert hat die Songs Bob Cavallo, der schon mit Phil Collins, Alanis Morrissette und anderen arbeitete und 1998 als Produzent des Jahres einen Grammy erhielt.

    Die Künstler-WG muss sich mit ihrem früheren Kumpel Benny herumschlagen, der jetzt für einen Immobilienhai arbeitet und die Hausbesetzer vertreiben will, um das Viertel sanieren zu lassen. Dann ist da noch der ehemalige Mitbewohner Tom, der zusammengeschlagen wird und seine große Liebe auf der Straße in dem transsexuellen Trommler Angel findet. Als quirliger Transvestit am Broadway erhielt Wilson Jermaine Heredia mehrere Auszeichnungen.

    Es ist Larson zu verdanken, dass sich die Story nicht belehrend auf Aids und Drogen konzentriert. Homo- und Transsexualität sind hier kein großes Ding. Es gibt keine Sexszenen. Und die Aids-Hilfen dürften zufrieden sein, dass großes Kino wieder einmal die inzwischen sehr eingedampfte Wahrnehmung der tödlichen Krankheit politisch korrekt anfasst.

    De Niros 1988 gegründeter Firma Tribeca Productions («Reine Nervensache») ist die filmische Umsetzung von «Rent» trotz einer esoterischen-versponnenen Schlusssequenz durchaus geglückt. Dennoch erlaubt das Genre Musical eben nur ein Kratzen an der Oberfläche. Und wer es nur auf die Musik absieht, findet den Soundtrack auf CD.

    dpa

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