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  • Kritik: "Nirvana": Ein blasser Christopher Lambert in einem rasanten Science-Fiction-Film

    Frankfurt/M (AP) Rasant und spannend, humorvoll und bisweilen nachdenklich stimmend präsentiert sich der französisch-italienische Kinofilm "Nirvana", der am 21. August in den Kinos anläuft. Ein rundum gelungener Science-fiction-Thriller aus der Welt des Cyberspace, der es auch dem Computerlaien ermöglicht, mühelos von der realen in eine virtuelle Welt zu wechseln. Der Film spielt im Jahr 2005, drei Tage vor Weihnachten. Der Computerprogrammierer Jimi steht kurz vor dem Abschluß seines neu entwickelten PC-Spiels "Nirvana", das rechtzeitig zu den Feiertagen im Handel sein soll.

    Plötzlich spricht die Spielfigur Solo zu ihm. Dieser hat durch einen Computervirus Empfindungen und Bewußtsein erlangt und bittet Jimi, ihn aus dem sinn- und endlosen Spiel zu löschen. Der frustrierte Computerexperte lebt seit der Trennung von seiner Freundin Lisa nur noch für seine Arbeit in seiner virtuell geschaffenen Welt. In Solo findet er bald einen Freund, der ihm kluge Ratschläge erteilt. Mit Hilfe der beiden Hackerspezialisten Joystick und Naima versucht er, in die Schaltzentrale seiner Firma einzudringen, um die Kopie des Spiels zu löschen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und seine Erinnerungen beginnt.

    2005 hat die Luftverschmutzung hat noch etwas zugenommen, Drogen gehören ebenso zum Alltag wie Organhandel. Eigentlich fühlt man sich gar nicht so weit entfernt von jener Zukunft, in der diese Geschichte spielt. Längst existieren auch virtuelle Welten, in die man mittels eines Datenhandschuhs oder -helms eintauchen kann und die den Menschen der modernen Gesellschaft den schnöden Alltag vergessen lassen.

    Neben Diego Abatantuono, der die sympathische Computerfigur Solo verkörpert, begeistern die beiden italienischen Schauspieler Sergio Rubini alias Hacker Joystick und Stefanie Rocca als burschikose Hackerspezialistin Naima. Dagegen verblassen die beiden Hauptdarsteller Christopher Lambert als liebeskranker, schwermütiger Programmier Jimi und Roman Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner als Exfreundin Lisa.

    Es ist sehr angenehm, wie wenig Klischees bedient werden: Jimi ist keineswegs der strahlende unbesiegbare, energiegeladene Held, der die Welt vor dem Bösen rettet. Er wirkt schwach und verletzlich neben Naima, der starken Frau mit Gefühl. Der italienische Regisseur Gabriele Salvatores betont eher die Schwächen der Menschen als den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse. "Nirvana" ist mit sehr sympathischen Figuren ausgestattet, und selbst der böse Gegner erweckt bisweilen Mitleid.

    Zwischen der Computerfigur und seinem Schöpfer findet ein beinahe philosophischer Diskurs statt. Solo hinterfragt sowohl den Sinn von Jimis Tun als auch den Sinn seiner virtuellen Welt, in der er ständig stirbt und nach jedem Game over zu neuem Leben erwacht.

    Der indische Begriff "Nirvana" steht für einen Zustand des absoluten Friedens und innerer Freiheit, die Loslösung jeglicher existentieller Empfindungen wie Schmerz, Lust, Angst und Freude. Nur durch das Erreichen Nirvanas kann der immer wiederkehrende Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt beendet werden.

    Dieser Begriff wird in Salvatores Film in die Praxis umgesetzt. Unverkennbar sind die Einflüsse, die der Regisseur bei einer Indienreise sammelte und die ihn zu diesem Drehbuch veranlaßten. Salvatores gelingt es, realistische Welten durch farbenprächtige, sehr lebendige Kulissen entstehen zu lassen. Als Drehort für den indischen Distrikt Bombay City wählte er einen alten Mailänder Schlachthof. Schauplatz für die anderen Stadtteile der Großstadt im Jahre 2005 wie das arabische Viertel Marrakesch oder Shanghai Town war eine ehemalige Alfa-Romeo-Fabrik in Mailand.

    Die digitalen Tricks überzeugen gerade durch ihre Unaufälligkeit. Der ständige Wechsel zwischen Jimis Welt und Solos schwarz-weißer Computerwelt gelingt mühelos durch gezielte Farbeffekte. Der Regisseur beweist mit seinem neuesten Werk, daß es nicht immer eines Steven Spielberg und horrender Summen für Special Effekts und Action-Szenen bedarf.

    Salvatores bietet beste, facettenreiche Unterhaltung auf gehobenem Niveau. Er verteilt Seitenhiebe auf unsere von Individualismus, Einsamkeit und Realitätsflucht geprägten Gesellschaft. Daneben machen ein gelungenes Drehbuch mit kurzweiligen, teils witzigen, teils nachdenklich stimmenden Dialogen über Sein und Schein von menschlicher Existenz, über Sinn und Sinnlosigkeit menschlichen Handelns "Nirvana" sehenswert.

    Von AP-Mitarbeiterin Caroline Nees

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