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  • Kritik: Nina Grosse setzte neue Akzente

    Selten lagen Genie und Wahnsinn so dicht beieinander wie im Leben von Friedrich Hölderlin. Zerbrochen an der Welt und einer aussichtslosen Liebe verlor der Dichter mit 36 Jahren den Verstand. Weitere 37 Jahre lebte er in tiefer geistiger Umnachtung. Nina Grosse hat das Schicksal des großen deutschen Romantikers als dramatische Liebesgeschichte für die Leinwand aufbereitet: Am 3. Dezember läuft ihr "Feuerreiter" bundesweit an - ein ambitionierter Historienfilm als neuer Akzent im neuen deutschen Kino.

    "Als ich das Projekt vor acht Jahren anfing, haben mich die Leute für verrückt erklärt", erzählt die 40jährige Filmemacherin ("Der gläserne Himmel") im dpa-Gespräch. "Aber mich hat fasziniert, wie jemand, der mit einer so großen Begabung und einem solch hohen Anspruch aufgebrochen ist, so elendiglich scheitert."

    Hölderlin träumte an der Schwelle zum 19. Jahrhundert von einer Revolution in Deutschland. Doch seine Hoffnungen bleiben unerfüllt, sein Werk wird verkannt. Als einfacher Hauslehrer bei einem Frankfurter Bankier verliebt er sich leidenschaftlich in dessen Ehefrau Susette (Marianne Denicourt). Die Liebe scheitert an gesellschaftlichen Schranken und der Eifersucht seines Freundes und Gönners Sinclair (Ulrich Matthes). Als Susette stirbt, erlischt auch in Hölderlin das Leben. "Ich würde Jahrtausende lang die Sterne durchwandern, in alle Formen mich kleiden, in alle Sprachen des Lebens, um Dir einmal wieder zu begegnen", sagt er im "Hyperion".

    Überzeugend ist der Film vor allem durch Hauptdarsteller Martin Feifel. Der 34jährige Schauspieler, seit 1995 am Hamburger Thalia Theater engagiert, macht den schmalen Grat zwischen Welt und Wahn, Sinn und Irrsinn manchmal fast körperlich spürbar. Eineinhalb Jahre lang habe sie "ihren" Hölderlin gesucht, berichtet Nina Grosse. Zunächst habe sie an einen internationalen Star gedacht. "Aber dann wurde mir klar, daß - wenn überhaupt - nur ein deutscher Schauspieler Hölderlin würde 'erfühlen' können."

    Dennoch wirkt die Figur gelegentlich zu eindimensional: Trotz der 130 Minuten Kinolänge bleiben die politischen und beruflichen Enttäuschungen des Dichters eher historisches Beiwerk, die Geschichte ist vor allem auf die lovestory reduziert. Und selbst hier ist der Zugang nicht immer leicht: Was macht diese rasende Liebe zu Susette aus? Liebt Hölderlin wirklich eine Frau oder nur sein Traumbild?

    Gern hätte man mehr über diesen ungewöhnlichen Menschen erfahren, auch mehr von seinen Gedichten gehört. Darauf hat die deutsch- französisch-polnische Coproduktion wohl mit Blick auf den Kassenerfolg verzichtet. Dafür entschädigt der Elf-Millionen-Streifen mit präziser Ausstattung und opulenten Bildern: Am Drehort Polen arbeitete ein Team mit, das schon bei Spielbergs "Schindlers Liste" und Schlöndorffs "Unhold" Erfahrungen gesammelt hat. "Das schönste wäre, wenn ich mit dem Feuerreiter Interesse an Hölderlin wecken könnte", sagt Nina Grosse. "Daß jemand heimgeht und Lust hat, ein Buch von ihm zu lesen."

    Nada Weigelt, dpa

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