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  • Kritik: Nicolette Krebitz:

    Vorsichtig tastet sich die Kamera durch das Wohnzimmer einer vornehmen Hanseaten-Villa - ein Bild der Verwüstung. Blutverschmiert hängt eine Blondine im blauen Abendkleid über einer Couchlehne, ihre mit goldenen Pumps bekleideten Füße ragen steif in die Luft. Neben ihr auf dem Fußboden liegen mehrere tote Männer.

    Keiner der Anwesenden hat den blutigen Showdown überlebt. In seinem schwarzen Thriller "Long Hello Short Goodbye" erzählt der deutsche Regisseur Rainer Kaufmann ("Stadtgespräch", "Die Apothekerin") rückblickend die Geschichte eines mörderischen Spiels um Liebe, Rache, Betrug und Eifersucht, in dem jeder gegen jeden kämpft.

    Im Mittelpunkt dieser stilisierten Film-Noir-Story steht die attraktive Undercover-Agentin Melody (Nicolette Krebitz), die von Polizei-Chef Kahnitz (Dietrich Hollinderbäumer) auf den jungen Gangster Ben (Marc Hosemann) angesetzt wird, mit dem er noch eine Rechnung offen hat. Ihr Auftrag: Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis soll sie Ben zu einem neuem Coup anstiften und dabei eiskalt überführen. Doch der Plan geht nicht auf. Denn Melody verliebt sich in Ben und zieht im Hintergrund selbst die Fäden, um ihren Chef loszuwerden. Mit Hilfe ihrer überkandidelten Freunde Aurelia (Sunnyi Melles) und Percy (Axel Milberg) inszeniert sie ein durchtriebenes Spiel, in dem sowohl Täter als auch Opfer nur noch als Marionetten fungieren.

    Die Vorlage zu diesem mörderischen Puzzle lieferte der amerikanische Drehbuchautor Jeff Vintar. "Amerikanische Autoren sind häufig mutiger in ihrer Direktheit", meint Regisseur Rainer Kaufmann. "Das Original-Skript las sich wie ein artistischer Tanz von Rückblenden." Für die deutsche Leinwandadaption dieses morbiden Kino- Stoffes wurde der Drehbuchautor Martin Rauhaus engagiert, der dem Buch eine andere Struktur verlieh und die Charaktere stärker herausarbeitete.

    Inspiriert von seinen Vorbildern der Schwarzen Serie hat Rainer Kaufmann für diese grell überzeichneten Kinotypen einen einzigartigen Look kreiert, der an Mode und Filmstil der siebziger Jahre angelehnt ist. "Der ganze Film ist ein gesampelter Blues", sagt Kaufmann. "Ich vergleiche 'Long Hello Short Goodbye' gerne mit moderner Popmusik, die sich aus einem reichen Fundus der Musik bedient und klassische Elemente zu etwas Neuem zusammenfügt."

    "Die Figuren in diesem Film sind alle sehr genau auf die Farbe limitiert, die sie in diesem buntem Regenbogen abgeben sollen", erklärt Nicolette Krebitz ihren Part. "Melody ist ein Charakter, der sich im Rollenspiel versteckt. Sie redet viel, um nichts gefragt zu werden." In dem von Emotionalität und Ironie getriebenen Spiel zieht Melody alle Register, um ihre Interessen durchzusetzen. Als Ben beschließt, sie zu verlassen, setzt sie kurzerhand zum Sprung aus dem Fenster an. In schwindelerregender Höhe droht sie vom Fenstersims abzurutschen. "Ich habe keine Höhenangst", grinst Krebitz. "Beim Dreh dieser Szene war ich mit einem Seil abgesichert, das später per digitaler Bildbearbeitung entfernt wurde."

    Mit "Long Hello Short Goodbye" ist Rainer Kaufmann ein lakonischer, dunkler Thriller gelungen, der vor allem durch seine Optik und die hervorragende schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller besticht. Produziert wurde dieser ironische Krimi von der Studio Hamburg-Tochterfirma Letterbox in Kooperation mit Warner Bros., die den Film in Deutschland ins Kino bringen. Ursprünglich sollte das Werk einen deutschen Titel erhalten. "Wir haben verschiedene deutsche Filmtitel getestet", so Kaufmann. "Dabei hat sich herausgestellt, daß 'Long Hello Short Goodbye' perfekt zu diesen Film paßt, denn er impliziert genau die Überhöhung, die der Film hat."

    Birgit Heidsiek, dpa

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