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  • Kritik: Nicolas Cage kann auch nichts retten:

    Ein armes junges Mädchen ist verschwunden, ein reicher alter Mann ist gestorben. Sie haben sich nie getroffen, und doch gibt es eine Verbindungslinie zwischen beiden: ein Acht-Millimeter-Film, auf dem eine Frau sexuell gedemütigt, gefoltert und von einem sadistischen Maskenmann, so scheint es, erstochen wird.

    Die Witwe des Alten mit solchen Vorlieben beauftragt den für seinen guten Ruf bekannten Privatdetektiv Tom Welles, herauszufinden, ob es sich in dem schockierenden Film um gestellte Szenen oder tatsächlich um die Abschlachtung eines wehrlosen Opfers zur sexuellen Ergötzung perverser Neigungen handelt.

    Welles nimmt den hervorragend bezahlten Auftrag an und findet bald den Namen des in dem Film gezeigten Mädchens heraus: Mary Anne Mathews. Ein Besuch bei der Mutter, die keine Ahnung über den Verbleib ihrer Tochter hat, fördert einen versteckten Abschiedsbrief von Mary Anne zutage. Demnach wollte sie ihr Glück in Hollywood versuchen. Dort landet Welles in dem widerwärtigen Sumpf eines florierenden Pornofilmgewerbes, das mit Glanz und Glamour der seriösen Filmindustrie nichts gemein hat. In einem Sexladen macht Welles die Bekanntschaft des Verkäufers Max, der sich in der schäbigen Szene bestens auskennt.

    "8 mm - Acht Millimeter" heißt der Film, der all das zeigt und am 1. April in den deutschen Kinos anläuft. Regie hat Joel Schumacher, seit Jahren gut im Geschäft, geführt; die Hauptrolle des Privatdetektivs hat kein Geringerer als Oscar-Preisträger Nicolas Cage inne; das Drehbuch stammt von Andrew Kevin Walker, der 1995 den Erfolgsthriller "Sieben" verfaßt hat. So viel hochkarätiges Zusammenspiel hätte eigentlich für einen guten, ja sogar außergewöhnlichen Film bürgen sollen. Tatsächlich aber ist ein in jeder Beziehung schmuddeliges Machwerk entstanden, das sich völlig spannungslos seinem Ende entgegenschleppt.

    Was dieser Streifen im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale verloren hatte, ist noch immer völlig rätselhaft. Dabei ist der nicht unberechtigte Vorwurf gegen "8 mm - Acht Millimeter", Selbstjustiz zu propagieren, noch nicht einmal der wichtigste. Schlimmer ist die tiefe Verlogenheit, ein Milieu mit der Geste des moralischen Abscheus zu präsentieren, in Wahrheit aber sich ausgiebig an der negativen Faszination des Pornogewerbes zu laben. Und selten war Cage so unglaubwürdig wie in den Szenen, wenn er seiner Frau und dem gemeinsamen Baby immer wieder mit weit aufgerissenen Samtaugen versichert: "Ich liebe euch".

    Das soll ein Gegenwicht bilden zu seinem Horrortrip durch den Sumpf aus Blut, Verbrechen und Perversität, wirkt aber nur unfreiwillig komisch. Nichts aber könnte für einen Film dieses Genres tödlicher sein. Alles ist hohl, vielleicht mit Ausnahme der Begegnung des Detektivs mit der Mutter des verschwundenen Mädchens. Hier wird so etwas wie Erschütterung und Trauer spürbar, hier wird Einsamkeit und Ausgeliefertheit sinnlich erfahrbar. Aber das bleibt geradezu fremd in einem mechanischen, oft widerwärtigen Schlachtfest, das auf der Leinwand abläuft. Wer braucht solche Filme? Jedenfalls niemand, der auch nur einen Rest an Respekt und Liebe fürs Kino hat.

    Wolfgang Hübner, AP

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