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  • Kritik: Nicholas Cage und Meg Ryan als Engel-Mensch-Liebespaar

    Es ist schön, ein Engel zu sein. Denn diese körperlosen Wesen sind irdischen Qualen entrückt, der Sterblichkeit entronnen. Allerdings hat es auch Nachteile, ein Engel zu sein. Zum Beispiel können sie nicht menschlicher Sinnenlust frönen, sondern dabei nur stille Beobachter spielen.

    Ein Engel, der zu den Menschen herabsteigt, um einer der ihren zu werden, hat viel zu verlieren, aber einiges zu gewinnen. Seth, himmlischer Mitarbeiter im Einsatzgebiet von Los Angeles, steht folglich vor keiner leichten Entscheidung. Aber er wählt das unberechenbare Los des Menschseins.

    Denn Seth hat sich in die blonde Herzchirurgin Maggie verliebt. Noch weiß diese nicht, daß der gutaussehende, vorerst unsichtbar bleibende Mann in Schwarz ihr bei zwei schmerzlich vergeblichen Rettungsversuchen über die Schultern geschaut hat. Maggie ist ob ihrer ärztlichen Niederlagen in gedrückter Stimmung. Die erste Begegnung mit Seth, der eine kühne Stippvisite in der Realität wagt, hilft ihr wieder Mut zu fassen. Für Seth ist es der Anfang vom Ende der überirdischen Existenz, für ihn und Maggie zugleich der Beginn einer großen Leidenschaft. Am Ende steht die Erkenntnis, daß Menschen für das kurze gemeinsame Glück oft genug mit einem tragischen Schicksalsschlag zu zahlen haben.

    Wem das alles irgendwie recht bekannt vorkommt, liegt nicht falsch. Denn dem Grundgerüst des am 23. Juli in die Kinos kommenden amerikanischen Spielfilms "Stadt der Engel" sind viele deutsche Zuschauer in Wim Wenders' Leinwandmärchen "Der Himmel über Berlin" begegnet. Schon frühzeitig nach dem Erfolg dieses poetischen Streifens aus dem Jahr 1987 über das damals noch von Mauer und Stacheldraht zerrissene Berlin hatte Hollywood Interesse an dem originellen Stoff gezeigt. Die kürzlich 51jährig verstorbene Produzentin Dawn Steel, deren Andenken nun der Film gewidmet ist, hatte die Rechte rasch erworben und nach langem Kampf das geplante Remake auch realisiert.

    Für den deutschen Filmemacher Wenders, der vergeblich früheren großen Erfolgen hinterher läuft, sicherlich ein wenig Balsam auf viele Wunden. Denn nichts will bei ihm mehr klappen in den letzten Jahren, die Kritiker verrissen seine letzten Produktionen, das Publikum mied sie. Nun aber erlebt der populärste Wenders-Film mit Weltstars wie Nicolas Cage als Seth und und Meg Ryan als Maggie vor der Kulisse des Stadtmolochs Los Angeles eine glanzvolle Wiederauferstehung. Es ist recht müßig, über die Anmaßung Hollywoods zu klagen, attraktive europäische Filme und Stoffe einfach noch einmal zu machen. Wer das Geld hat, hat eben auch die Macht dazu.

    In diesem Fall läßt sich das Ergebnis durchaus sehen. Entstanden ist nämlich ein Film, der sich trotz gleichen Kerninhalts doch ganz anders als das deutsche Original präsentiert. Im Vordergrund steht diesmal eine große Liebesgeschichte mit hinreißenden Samtblicken von Oscar-Preisträger Cage und gewohnt anrührender Darstellung der Ryan. Zu sehen sind Szenen voll besinnlicher, ja philosophischer Momente. Und bei aller Perfektion des von Dana Stevens verfaßten Drehbuchs, Brad Silberlings ruhiger, aber auch dynamischer Inszenierung sowie der großartige Bilderfahrten zeigenden Kameraarbeit von John Seale ist "Stadt der Engel" keine seelenlose Protzerei der US-Traumfabrik.

    Vielmehr ist da ein eher untypischer Hollywood-Film entstanden, der nicht so sehr mit dem Wenders-Original, sondern mit den sonstigen Produkten der großen Studios verglichen werden sollte. Und in diesem Vergleich schneidet "Stadt der Engel" gewiß nicht schlecht ab. Das meinte übrigens auch Wenders, als er das Remake erstmals besichtigt hatte: "Was ich sah, gefiel mir sehr. Es war bewegend, handwerklich wunderbar gemacht, es gab etliche verblüffende Bilder und eine ganz erstaunliche Story. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Na ja, außer in diesem einen deutschen Film vielleicht, mit Untertiteln... wie heißt er doch gleich?"

    Wolfgang Hübner, AP

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