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  • Kritik: Neuverfilmung des Klassikers

    "Austern, Schnecken, Kaviar - igitt, wie eklig!", ruft die Rasselbande, die in einem feinen Berliner Hotel dinieren möchte. "Emil und die Detektive" haben nämlich den Gourmet-Tempel heimgesucht. Sogleich ordern sie Currywurst statt Glibberzeug und bezahlen mit der goldenen Kreditkarte von "Dienstags" Papa: Das Kindergelage ist eine der wenigen rundweg gelungenen Szenen in der Verfilmung von Erich Kästners 1928 erschienenem Kinderroman.

    Der Film hat "Emil und die Detektive" - Kinostart ist am 22. Februar - gründlich überholt und den neuen Zeiten angepasst. Oder vielmehr, angepasst an das Weltbild von Erwachsenen, die Kindern ein Exempel andienen wollen. Die junge Regisseurin Franziska Buch hat mit ihren Kinodebüt den Kinderkrimi von Kästners moralisierendem Tonfall befreit und ihn stattdessen ins Korsett der "political correctness" der neunziger Jahre gepresst, was auch schon wieder ziemlich alt aussieht.

    Emil, im Buch der Sohn einer armen Witwe, ist nun der Spross eines arbeitslosen Vaters in einem Dorf im Osten. Er fährt nach Berlin, um mit ersparten 1.500 Mark seinem Vater heimlich einen gefälschten Führerschein zu kaufen, weil dieser eine Stelle als Vertreter in Aussicht hat. Bis Emil endlich dem bösen Max Grundeis im Zug gegenüber sitzt, ist die Herleitung schon arg mühsam herbeikonstruiert.

    Grundeis stiehlt Emil das Geld, doch dem Jungen gelingt es, den Dieb in Berlin in einer Kneipe aufzuspüren. Es folgt der Auftritt von Pony Hütchen, die, im Zeitalter der Emanzipation, nicht nur eine freche Berliner Göre, sondern gleich die Chefin einer Kinderbande ist.

    Die Gang ist zusammengesetzt aus den Figuren eines pädagogisch wertvollen Multikulti-Baukastens: ein türkischstämmiger Junge, der rappt, ein Roma-Junge, zwei obdachlose Zwillinge, deren Kleidung aussieht wie aus einer teuren Avantgarde-Kinderboutique, "Dienstag", ein reicher Junge mit Handy und so fort - eine erschöpfend abgehakte Klischee-Strichliste.

    Während die auf Zeitgeist getrimmten Kids unnatürlich wirken, gelingen Franziska Buch überall dort, wo sie die Handlung mit erfundenen Episoden aufpeppt, charmante und spannende Momente. So zum Beispiel, als Max Grundeis im Hotel Adlon absteigt und gleich damit beginnt, die Juwelen der Gäste zu klauen. Emil durchwühlt Grundeis' Zimmer, und der Ganove hangelt sich derweil an der Fassade entlang...

    Ganz im Gegensatz zur treudoofen Übererfüllung des Multikulti-Ideals steht merkwürdigerweise die witzige Konstellation einer Pfarrerin mit ihrem Sohn, bei denen Emil in Berlin wohnen soll. Sohn Gustav ist "tierisch" genervt vom Gutmenschentum seiner Mutter, die bei jeder Dritte-Welt-Veranstaltung dabei ist und dauernd fremde Leute bei sich wohnen lässt.

    Die Verfolgung von Grundeis dient der Vorführung von Berlin, wobei auch hier des Guten zuviel getan wurde: Statt sich auf ein, zwei Viertel zu beschränken, toben die Kinder durch die ganze Stadt, ohne dass sich in ihrer Fortbewegung eine geografische Logik ausmachen ließe.

    Leider ist auch der Darsteller der Hauptfigur Emil enttäuschend ausdruckslos, und besonders den Kindern werden hölzerne Dialoge in den Mund gelegt. Dagegen mimt Jürgen Vogel einen prima Bösewicht, und auch Maria Schrader bekommt eine augenzwinkernde Rolle. Insgesamt aber krankt dieser Kinderfilm, wie so oft in diesem Genre, an plumper Gutgemeintheit, der die Handlung asthmatisch werden lässt. Die Kinder flitzen mit Skatern umher, doch bei Kästner, in elenderen Zeiten als heute, hatten die Knirpse mehr Schwung.

    Birgit Roschy, AP

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