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  • Kritik: Neuer Grisham-Thriller mit beklemmender Aktualität

    Hamburg (dpa) - Filme aus der Traumfabrik Hollywood erhalten bisweilen makabere Aktualität. "Die Kammer" nach einem Buch des Bestsellerautors John Grisham, von diesem Donnerstag an in den deutschen Kinos, ist so ein Fall. Der fiktive Kampf eines jungen Anwalts um die Begnadigung seines zum Tode verurteilten rassistischen Großvaters findet in diesen Wochen sein reales Pendant im Gefängnis von Huntsville im US-Bundesstaat Texas. Dort sollen noch im Juni elf Häftlinge hingerichtet werden. Ein neues Gesetz, das die Berufungsverfahren beschleunigt, macht die Serie der Vollstreckungen möglich.

    Doch auch eine Vorlage von Grisham ist offenbar kein Garant mehr für den schnellen Erfolg an der Kinokasse. Nach vier Verfilmungen seiner Bücher fand "Die Kammer" nur wenig Zuspruch beim amerikanischen Publikum. Zu wenig Action, zu wenig von Spezialeffekten unterfütterte Spannung prägen den Film, die Geschichte wird vielmehr konventionell und in schlichten Bildern erzählt.

    Allerdings setzt sich dadurch die Handlung wohltuend von den ansonsten eher stromlinienförmig auf Spannung getrimmten Grisham- Thrillern ab. Zwar sind auch in dem neuen Werk von Regisseur James Foley die Themen Verschwörung und Mord im tiefen Süden der USA wesentliche Zutaten für das Justizdrama, doch glänzt der Film "Die Kammer" zudem als anrührendes Familiendrama mit bemerkenswerten Darstellern. Vor allem Gene Hackman als Sam Cayhall brilliert in der Rolle des uneinsichtigen Rassisten, der drei Jahrzehnte nach einem Bombenanschlag auf eine Anwaltskanzlei auf die Hinrichtung in der Gaskammer wartet.

    Zum Tode wird Ku-Klux-Klan-Mitglied Cayhall vor allem deshalb verurteilt, weil sich ein Politiker durch das Schicksal des Rassisten profilieren will. Wenige Tage vor der Hinrichtung übernimmt der junge Anwalt Adam Hall (Chris O'Donell), ein Enkel des Verurteilten, den aussichtslosen Fall. Die Bluttat seines Großvaters hat auch sein Leben entscheidend verändert: Adams Vater nahm sich Jahre später zutiefst beschämt das Leben, seine Tante (Faye Dunaway) verfiel dem Alkohol.

    Im Zuge der juristischen Grabenkämpfe um eine Begnadigung des Großvaters nähern sich die beiden grundverschiedenen Männer langsam an, der unerfahrende und idealistische Anwalt, der sich auf die Suche nach den Rissen in der eigenen Familiengeschichte begibt und der Spirale der Gewalt bis an ihre Wurzeln folgen will, und der starrköpfige alte Mann, der aus falsch verstandener Loyalität die Hintergründe seiner Tat zu verschweigen sucht. Offen und ergreifend übt der Film nicht nur Kritik am Rassismus in den USA, er erhebt zugleich Anklage gegen die Brutalität der Todesstrafe und berührt vor allem in seinen letzten Szenen mehr, als man das von einem Grisham- Stoff erwartet hätte - zuviel vielleicht für den auf pure Unterhaltung getrimmten amerikanischen Kinofan.

    Von Martin Oversohl, dpa

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