40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Neuer Coen-Kult mit "Fargo"
  • Kritik: Neuer Coen-Kult mit "Fargo"

    Hamburg (dpa). Ein kleines und verlassenes Provinznest im Mittleren Westen der USA. Der Wind fegt eiskalt über die kargen und endlos scheinenden Felder, die Straßen ziehen sich leer und schnurgerade durch die tief verschneite Gegend. Mitten in dieser geradezu unschuldig anmutenden Gegend plazieren die filmenden Brüder Joel und Ethan Coen ("Barton Fink") ihr neues, abgrundtief böses und mit bestem schwarzen Humor angereichertes Werk: Die Tragikkomödie "Fargo", die bei den Filmfestspielen in Cannes den Regiepreis erhielt, ist ab 14. November in den deutschen Kinos zu sehen.

    Autoverkäufer Jerry Lundegaard ist ein hoffnungsloser Optimist und zugleich bemitleidenswerter Verlierertyp. Da er bis zum Hals in Schulden steckt, engagiert er zwei Kleinganoven, die seine eigene Ehefrau entführen und das erpreßte Lösegeld des wohlhabenden, aber geizigen Schwiegervaters mit ihm teilen sollen. Doch die beiden ominösen Kriminellen, ein nervös-fahriger Wicht (Steve Buscemi, "Pulp Fiction" und "Kansas City") und ein wortkarger Hüne im Blutrausch (Peter Stormage), tapsen von einer Pleite in die nächste. Auf ihrer Flucht erschießen sie zudem so ziemlich alles, was sich ihnen in den Weg stellt.

    Die hochschwangere Polizeichefin des Ortes (in ihrer unaufgeregten Normalität durch und durch originell: Frances McDormand) heftet sich an die Fersen der Gangster. Die scheinbar etwas langsam denkende Landpomeranze mit dem drolligem Dialekt beweist aber schon bald ihren messerscharfen Intellekt und watschelt unförmig, doch mit methodischer Präzision und schier grenzenlosem Appetit dem Showdown entgegen. Während sie souverän sowohl mit Schwangerschaft als auch mit Serienkillern klarkommt, mutiert Lundegaard zum winselnden Häufchen Elend, dem alles entgleitet.

    Nach ihrem brillanten "Film noir"-Debüt "Blood Simple" (1984) und der drastischen Gangsterfilm-Hommage "Miller's Crossing" legen die Coen-Brüder wieder einen Streifen mit dem Zeug zum Kultklassiker vor. Die teilweise überaus blutige, vermeintlich authentische Story vom völlig verpfuschten Verbrechen spart weder mit Gesellschaftskritik noch mit schönstem, düster-profundem Humor.

    Mit morbidem Charme und mutigem Sarkasmus zeichnen die Coens in "Fargo" ein großartiges und zugleich nachdenkliches Bild der amerikanischen Provinz, in der die beiden Filmemacher selbst aufgewachsen sind. Die bis in die kleinste Rolle gelungene Besetzung macht "Fargo" zu einem Kunstwerk inmitten von kostspieligen Hollywood-Bombastikern und kassenträchtigen Leinwandschinken.

    Von Martin Oversohl, dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -5°C - 2°C
    Montag

    -3°C - 2°C
    Dienstag

    -2°C - 4°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!