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  • Kritik: Neuer Allen-Film "Alle sagen: I love you"

    Frankfurt/M (AP) Der große, kleine Woody Allen altert. Aber bevor er richtig alt wird, will er sich offenbar noch einmal all seine Wünsche erfüllen - zum Beispiel eine heiße Affäre mit "Pretty Woman" Julia Roberts, dazu eine Reverenz an die große Zeit des amerikanischen Musicals, auch eine tiefe Verbeugung vor dem Genie der Marx-Brothers oder Liebeserklärungen an seine Traumstädte. Und er will auch noch ein neues Leinwandgenre schaffen, eine Art Sing-Komödie. Für Woody bleiben das keine unerfüllbaren Wünsche, ist er doch bekanntlich beim Film und kann da als Liebling der Kritiker so ziemlich alles machen, was er will.

    So kam es, daß der melancholische Witzbold aus Manhattan einen Film schrieb und inszenierte, der unter dem Titel "Alle sagen: I love you" ab dem 14. August in Deutschland zu sehen sein wird. Herausgekommen ist ein unverwechselbarer, allerdings auch verzichtbar erscheinender Woody-Allen-Streifen. Gewiß hat das Werk mit dem langen Titel viele Qualitäten, die Allen immer wieder einbringen kann: Dialogwitz, inspirierte Darsteller und Überraschungen, die sich eben nur er in einer Industrie leisten kann, die nicht auf Kunst, sondern auf Dollarbündel aus ist.

    Große Einnahmen konnte "Alle sagen: I love you" in den USA, wo der Film längst schon wieder aus den Kinos verschwunden ist, nicht einspielen. Und in Deutschland ist kein anderes Resultat zu erwarten. Denn Allens neues Werk ist einfach zu selbstverliebt: "Ich wollte immer schon einen Film machen, der in meinen drei Lieblingsstädten spielt - New York, Paris und Venedig. Und, noch wichtiger, ich wollte einmal eine Szene spielen, in der ich einen Schnurrbart habe. Was kann ich mehr über diesen Film sagen?"

    Ein wenig mehr läßt sich natürlich schon über das Leinwandgeschehen rund um den von Allen verkörperten Schriftsteller Joe Berlin sagen - zum Beispiel der Inhalt. Da gibt es die muntere Familie aus der oberen Mittelklasse, die direkt an der Park Avenue Manhattans in einer großen Wohnung lebt. Das Oberhaupt ist ein liberaler Rechtsanwalt Bob (Alan Alda), die selbstbewußte Ehefrau Steffie (Goldie Hawn) eine nicht weniger liberale Aktivistin für Bürgerrechte und gegen Walfang. Früher war sie mit Joe Berlin verheiratet. Die Tochter aus dieser Ehe, die hübsche Skylar, sehr verführerisch von der sinnlichen Drew Barrymore gespielt, ist verliebt in den Schlaks Holden (Edward Norton).

    Dazu gibt es noch zwei Töchter aus Bobs erster Ehe, einen gemeinsamen, provokativ konservativen Sohn von Bob und Steffie, einen senilen Opa von 88 Jahren und eine barsche deutschstämmige Haushälterin Frieda (Trude Klein). Wie und warum nun der griesgrämige, aber keine Tücke scheuende Joe an die unglücklich schöne Neurotikerin Von (Julia Roberts) herankommt und welche Rolle darin die muntere Familie spielt, verrät das Geschehen auf der Leinwand. Wie immer in den Filmen von Woody Allen wird viel geplappert, die Dialoge sind meist witzig, doch irgendwie auch bekannt aus früheren Streifen.

    Die sängerischen Einlagen der dazu stimmlich kaum befähigten Schauspieler sind eher befremdlich, bestenfalls auf schrullige Weise originell. Und wenn Woody selbst mit brüchiger Stimme zu singen versucht, ist das sogar anrührend. Leider unfreiwillig komisch ist hingegen die mit Trickeffekten gespickte Tanzszene von Allen und Hawn am Ende. Die echten Fans des Meisters mag auch das noch begeistern. Aber kein Feind Woody Allens muß sein, wer ihm nun einmal doch zu einem verdienten Päuschen beim Filmemachen rät. Und danach darf er sich auch ruhig wieder in Paris oder Venedig einen Schnurrbart ankleben.

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