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  • Kritik: Neue Jurek Becker-Verfilmung

    Alltag in einem jüdischen Getto in Polen während des Zweiten Weltkrieges. Es herrschen Hunger, Krankheit und Tod, die meisten Bewohner des Gettos sind längst in die Konzentrationslager verschleppt worden. Die, die noch da sind, versuchen das von Angst und Depressionen geprägte Dasein mit Galgenhumor zu ertragen.

    Ein Meister darin ist Jakob Heym, der in dem Hollywood-Remake von "Jakob der Lügner" von dem amerikanischen Schauspieler Robin Williams mit warmherzigem, immer den Schrecken hinter dem Lächeln zeigenden Humor dargestellt wird.

    Bereits 1974 verfilmte der Defa-Regisseur Frank Beyer den autobiografisch eingefärbten Roman "Jakob der Lügner" von Jurek Becker (1937-1997), was der DDR die einzige Nominierung für einen "Oscar" für einen nicht englischsprachigen Film" einbrachte. Erzielte die damalige Adaption ihre große Wirkung aus formaler Strenge, setzt die der in Paris lebende Regisseur Peter Kassovitz auf tradierte Erzählmuster eines Kinos voller Emotionen.

    Es ist vor allem dem differenzierten Spiel von Robin Williams zu danken, dass der Film dennoch nicht in Sentimentalität abgleitet. Berührend und nicht befremdend wird dadurch selbst das legendenhaft überhöhte Finale, das den Zuschauern einen Hauch Hoffnung darauf gibt, einige der ins KZ getriebenen Getto-Bewohnern hätten den Vernichtungswahn der Nazis vielleicht überlebt.

    Jakob gibt den Getto-Bewohnern ein Stück Hoffnung. Eines Tages hört er in der Kommandantur zufällig Nachrichten, die vom Vormarsch der sowjetischen Truppen berichten. Er kann die Neuigkeit nicht für sich behalten. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich daraufhin im Getto das von allen als Gewissheit angenommene Gerücht, Jakob besitze ein Radio. Damit gerät der ehemalige Cafe-Betreiber in höchste Lebensgefahr. Denn erfahren die Deutschen von dem angeblichen Radio im Getto, werden sie alles daran setzen, den Besitzer ausfindig zu machen und umzubringen. Doch Jakob kann nicht mehr zurück.

    Die Meldungen, die Jakob nun erfindet, helfen seinen Leidengefährten, an das Leben zu glauben. Ob der Boxer Mischa (Liev Schreiber), der Arzt Dr. Kirschbaum (Armin Müller-Stahl) oder die kleine Lina (Hannah Taylor Gordon), die Jakob auf seinem Dachboden versteckt, für sie alle wird das gar nicht existierende Radio zum Symbol der Rettung. Aber es gibt auch Juden, die das Radio aus Furcht vor Entdeckung vernichten wollen.

    In dieser explosiven Situation beginnen die Nazis das Getto nach dem Radio zu durchsuchen. Sie drohen mit dem Abtransport aller ins KZ, wenn sich der Besitzer nicht meldet. Am Ende wird Jakob Heym ermordet. Der letzte Blick auf die Augen des toten Helden wider Willen erschüttert. Obwohl gebrochen sagen sie, dass es ein Mittel gegen die grausamsten Schrecken gibt: Herzensgüte.

    Peter Claus, dpa

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