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  • Kritik: Nervenaufreibender Rachefeldzug

    Es ist ein eiskalter Plan, der die Familie Jennings 24 Stunden lang in Angst versetzen wird. Die Eheleute Joe und Cheryl Hickey entführen zusammen mit Cousin Marvin die kleine Abbey.

    Das Mädchen ist die Tochter des Star-Mediziners Will Jennings und seiner Frau Karen. Bereits viermal war das Ehepaar Hickey erfolgreich mit seinem Plan, der ebenso raffiniert wie grausam ist: In 24 Stunden müssen die Entführer im Besitz des Lösegeldes sein - oder das Kind stirbt. "24 Stunden Angst" ist der erste Thriller von Luis Mandoki - das angestammte Arbeitsfeld des Regisseurs ist eigentlich das romantische Drama.

    Entscheidendes Detail nicht bedacht

    Abbey wird an einen geheimen Ort gebracht, wo sie von Marvin bewacht wird. Auch die Jennings (Stuart Townsend und Charlize Theron) werden getrennt. Cheryl Hickey (Courtney Love) setzt Will Jennings auf einem Ärztekongress im Hotelzimmer fest, und Joe Hickey (Kevin Bacon) bewacht Mutter Karen in ihrem Haus. Mit halbstündlichen Anrufen kontrollieren sich die Entführer gegenseitig. Bleibt ein Anruf aus, hat Marvin den Befehl, das Kind sofort zu töten. Doch die Entführer haben ein entscheidendes Detail nicht bedacht: Abbey ist schwer asthmakrank und benötigt dringend ihre Medizin. Nur mit Mühe kann die verzweifelte Mutter die Peiniger überreden, der Tochter das lebensnotwendige Medikament zukommen zu lassen.

    So gerät der scheinbar perfekte Plan ins Wanken, und der Kontrollzwang von Joe Hickey nimmt immer manischere Züge an. Bald schon geht es nicht mehr um das Lösegeld. Karen und Will ahnen unabhängig voneinander, dass die Entführung ihrer Tochter tiefere Gründe hat. Die verzweifelte Mütter spürt, dass es Joe Hickey um einen persönlichen Rachefeldzug geht, an deren Ende ihre Tochter mit dem Leben zahlen soll.

    Filmfiguren facettenreich und wirkungsvoll in Szene gesetzt

    Mit Arbeiten wie "When a man loves a woman" erwarb sich Regisseur Mandoki die Reputation, seine Filmfiguren facettenreich und wirkungsvoll in Szene zu setzen. In "24 Stunden Angst" steht dem Regisseur mit Kevin Bacon, Charlize Theron und Courtney Love ein Ensemble zur Seite, das es ihm ermöglicht, seinem Ruf gerecht zu werden. Kevin Bacon spielt den Underdog Joe Hickey mit eindrucksvoller Energie, in jedem Blick und jeder Geste paaren sich blanker Hass mit pathologischer Sucht nach Überlegenheit. Charlize Theron komplettiert diese Szenerie mit ergreifender Angst und Verzweiflung.

    Das Aufeinanderprallen des White-Trash-Ehepaars mit der etablierten Arztfamilie symbolisiert niemand besser als Courtney Love. Wie schon in "Larry Flint", als Ehefrau des gleichnamigen Porno-Magnaten, zeigt sie mit einem narbenübersäten Körper und schlechter Haut wieder viel Mut zur Hässlichkeit. Ihren Gegenpart stellt Stuart Townsend als Dr. Will Jennings dar, der ohne Mühe mit dem Staraufgebot mithält. Es sind die gelungensten Szenen des Films, wenn Luis Mandoki ein beklemmendes Hin und Her zwischen den ungleichen Paaren schafft.

    In Psychospielen und Machtkämpfen verzettelt

    Während die Akteure auf der Leinwand um die Vorherrschaft über die Situation kämpfen, läuft dem Film die Zeit davon. Am Anfang spielt Mandoki noch mit dem Kontrast der teils rasenden, teils quälend langsam vergehenden Zeit - immer wieder unterbrochen von den halbstündigen Kontrollanrufen der Entführer. Im Laufe der Geschichte jedoch lässt der Filmemacher seinen Spannungstrumpf nur noch als passiven Hintergrund stehen, um sich in Psychospielen und Machtkämpfen zu verzetteln.

    Doch Mandoki kann das Ruder noch einmal herumreißen, bevor aus "24 Stunden Angst" 105 Minuten Verwirrung werden. In einer sehenswerten Schlusssequenz, für deren Dreh ein ganzer Highway für zwei Wochen gesperrt werden musste, entscheidet sich das Schicksal der kleinen Abbey. Inmitten eines Infernos aus kollidierenden Autos und explodierenden Jets treffen erstmals alle Kontrahenten aufeinander und geben dem Film noch die entscheidende Wendung, die ihn zu einem sehenswerten Thriller macht.

    Frank Schräder, ddp

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