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  • Kritik: "Neonazis als Karikatur"

    Der Anfang in Winfried Bonengels Spielfilmdebüt "Führer Ex" ist in mancher Hinsicht typisch für den ganzen Streifen.

    Die Kamera kreist wild um den Berliner Fernsehturm, Arbeitermassen marschieren auf, eine fetzige DDR-Hymne dröhnt - und der gute alte DDR-Chef Honecker scherzt auf Archivbildern mit Kindern. Nach einem Schnitt pinkeln zwei Kids in Jeans und Turnschuhen auf das "Neue Deutschland". Das ist zwar etwas dick aufgetragen. Aber schließlich soll der Zuschauer gleich merken: Es geht um Unterdrückung, Widerstand und deutsche Vergangenheit.

    "Ich musste diesen Film einfach drehen"

    "Ich musste diesen Film einfach drehen", sagt Bonengel im Gespräch. "Ich habe Jahre lang gekämpft, damit er gemacht wird. Ich hatte schon daran gezweifelt, dass man solche Filme in Deutschland drehen kann." Bislang hatte Bonengel dem Thema Neonazis Dokumentarfilme gewidmet. Jetzt erzählt er die Autobiografie eines Aussteigers aus der Neonazi-Szene.

    Holzschnittartig: Neonazi-Karriere im Osten?

    Fast holzschnittartig zieht sich die Handlung durch den Streifen: Heiko (18) und sein Freund Tommy langweilen sich, den DDR-Alltag finden sie viel zu eng und wollen abhauen. Doch Tommy verbrennt erstmal eine DDR-Fahne, kommt natürlich in den Knast, und als er rauskommt, ist er Neonazi. Dann schläft Tommy, Draufgänger und Raubein, auch noch mit Heikos Freundin und mit Heikos Mutter.

    Kritik: Film hat "kein Vertrauen" in seine eigenen Bilder

    Das alles wird in gleich ernstem Ton und ohne weitere Umschweife erzählt, dass der Zuschauer nicht mal ins Staunen gerät. "Bonengel scheint von seinem Stoff so überwältigt, dass er das Filmische vergisst", schrieb eine deutsche Kritikerin im vergangenen September, als der Streifen beim Filmfestival Venedig auf kühles Unverständnis stieß. Der Film habe "kein Vertrauen" in seine eigenen Bilder. "Stattdessen kommentiert der Film im Dialog, was man sieht."

    Rasch schreitet das Unheil voran

    Die beiden Kids wollen in den Westen türmen, bleiben aber an der Mauer hängen. Dann Gefängnis, Gewalt und Unterdrückung, brüllende Wärter und natürlich, Standard bei heutigen Knastschilderungern, gibt's auch eine Vergewaltigung unter der Dusche. Unter der Dusche springen Heiko die Nazischläger zur Seite, zum Dank begibt sich Heiko unter die Fittiche der braunen Truppe.

    "Das sind die Einzigen, die sich gegen die Kommunisten wehren."

    Warum die Nazis im Knast des Arbeiter- und Bauernstaates so regen Zulauf haben, erfährt der Zuschauer auch. Und zwar aus dem Munde Tommys, der das auch gleich druckreif zu sagen weiß: "Das sind die Einzigen, die sich gegen die Kommunisten wehren." Vollends rätselhaft wird der Streifen am Ende, als Heiko, der einst Sensible der beiden Freunde, nach Wende und Mauerfall Karriere im Neonazimilieu macht. In brauner Uniform tauchte er auf, mit strengem blonden Scheitel, knallt die Hacken zusammen - und jedes Wort aus seinem Mund ist gebrüllt.

    Es falle immer wieder auf, dass der deutsche Film "Nazis und Neonazis vornehmlich als Karikaturen zeichnet", monierte ein Kritiker. Bonengels hoch gestecktes Ziel ist es: "Zu zeigen, wie jemand Neonazi wird." So ganz gelungen ist das nicht.

    Peer Meinert, dpa

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