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  • Kritik: Neil Jordans Meisterwerk "Butcher Boy - Der Schlächter-Bursche"

    Der zwölfjährige Francie Brady, ein rothaariger und gewitzter Junge, hat es nicht leicht in der engstirnigen irischen Provinzstadt der 60er Jahre: Der Vater ist ein stadtbekannter Säufer, die Mutter muß immer wieder in die Nervenheilanstalt eingeliefert werden. Aber Francie hat einen guten Freund namens Joe, mit dem er sich in Phantasiewelten flüchten kann. Und der schon früh von seinen kaputten Eltern aus sorgloser Kindheit gerissene Junge hat auch eine Todfeindin, die aufgeblasene Mrs. Nugent, die offenbar nur in die Stadt gezogen ist, um die Bradys endgültig zu zerstören.

    Francie zahlt es Mrs. Nugent heim, wird aber dafür in eine Besserungsanstalt aufs Land geschickt. Dort hält er es natürlich nicht lange aus, flüchtet und muß erst den Tod der Mutter, dann auch des Vaters hinnehmen. Danach gibt es für den wilden Jungen, der inzwischen eine Anstellung beim Schlachter gefunden hat, kein Halten mehr bei seinem Rachefeldzug gegen die vermeintlich an der ganzen Misere verantwortlichen Mrs. Nugent. Ein schreckliches Verbrechen erschüttert die irische Kleinstadt, und Francie ist daran ganz und gar nicht unbeteiligt.

    Das ist die Geschichte von Patrick McCabes Bestseller "The Butcher Boy", den der renommierte irische Filmemacher Neil Jordan nun unter dem zusätzlichen deutschen Verleih-Titel "Der Schlächter-Bursche" nach dem gemeinsam mit dem Romanautor verfaßten Drehbuch zu einem meisterhaften Film geformt hat. Das im Wettbewerb der diesjährigen Berliner Filmfestspiele gezeigte Werk läuft ab dem 26. Februar in den deutschen Kinos an. Jordans "Der Schlächter-Bursche" ist das brillante Beispiel einer gelungenen Literaturverfilmung.

    Es ist die ganz besondere Qualität des Films, daß rabenschwarzer Humor, bittere Ironie und das bewegende Porträt einer verpfuschten Kindheit zusammen mit schier aberwitzigen Phantasieszenen zu einer jederzeit stimmigen Einheit verschmelzen. Diese so oft angestrebte, aber selten nur erreichte Einheit von Form und Inhalt machen zusammen mit der raffinierten Musikzusammenstellung von Elliot Goldenthal den "Schlächter-Burschen" zu einem außergewöhnlichen Kinoerlebnis. Aber es ist keine leichte Kost, die Jordan präsentiert, und deshalb wird der Film an der Kasse Probleme haben.

    Das schauspielerische Ereignis des 106 Minuten langen, stets kurzweiligen Streifens ist der 13jährige Francie-Darsteller Eamonn Owens, für den es die erste Rolle seines Lebens war. "Mit Francie steht und fällt der Film. Ich wollte über die Produktion nicht einmal nachdenken, bevor wir nicht einen geeigneten Darsteller gefunden hatten", erzählt Jordan. Er entdeckte Eamonn nach langem Suchen im irischen Killeshandra, es war eine perfekte Wahl. Das findet übrigens auch der selbstbewußte Jungdarsteller: "Ich finde, daß mir die Rolle auf den Leib geschrieben ist. Francie blickt einfach nicht mehr durch - und keiner sagt ihm jemals, was er eigentlich falsch gemacht hat."

    Wolfgang Hübner,AP

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