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  • Kritik: Nahaufnahme Falsch herum gedreht

    Seit seine Frau vergewaltigt und ermordet worden ist, widmet Leonard sein Leben der Suche nach dem Täter. Doch er hat ein beträchtliches Handicap: Seit jener Mordnacht hat er sein Langzeitgedächtnis verloren und kann sich nur zehn Minuten zurück erinnern.

    Der kultverdächtige Thriller "Memento" zwingt den Zuschauer dazu, sich der Wahrnehmung des behinderten Leonard (Guy Pearce) anzupassen. Das geschieht durch einen ebenso simplen wie wirkungsvollen Trick: Die Zeit läuft rückwärts.

    Auf den Körper tätowierte Botschaften

    Die Erzählung ist eine Kette aus rund zehnminütigen Rückblenden, die das Vorhergehende Schritt für Schritt erhellen. Zur Einstimmung lässt der junge britische Regisseur Christopher Nolan am Anfang des Films die Kamera einen Moment lang rückwärts laufen. Auf einem Polaroid-Foto verblasst das Motiv, das Papier wird vom Fotoapparrat geschluckt, ein blutiger Haufen Fleisch und Knochen formt sich zu einem Gesicht.

    Eine Kugel fliegt vom linken an den rechten Bildrand zurück in den Lauf einer Pistole. Ist es tatsächlich der Mörder seiner Frau, den Leonard erschossen hat? Um nicht zu vergessen, macht Leonard von allen Menschen und Orten, die ihm auf seiner Recherche begegnen, Fotos, die er akribisch beschriftet. Zusätzlich tätowiert er sich auf seinen Körper Botschaften, die ihn täglich daran erinnern sollen, was seine Mission ist: "Finde den Mörder deiner Frau, töte ihn", hat er in Spiegelschrift auf seine Brust tätowiert.

    Die Wahrheit ist ein knappes Gut

    Auch seine Arme und seine Beine sind übersät mit Hinweisen. Wo der Zuschauer sein funktionierendes Gedächtnis benutzt, um die Ereignisse zu rekonstruieren, so nimmt Leonard seinen eigenen Körper als Gedächtnisstütze - er ist ein lebender Notizzettel. Doch auch das schützt ihn nicht davor, betrogen zu werden. Die Menschen, die er bei dieser Reise in die Vergangenheit trifft, bekommen bei jeder Begegnung schärfere Konturen.

    Und wer zunächst vertrauenswürdig scheint, entpuppt sich in der folgenden Episode als Lügner. Im Falle des Portiers seines Motels, der ihm zwei Zimmer vermietet hat, kann er den Betrug aufdecken. Da ist außerdem der schleimige Teddy (Joe Pantoliano), der Leonard dauernd besucht und der behauptet, sein Freund zu sein. Er warnt ihn vor der Kellnerin Natalie (Carrie-Anne Moss), die wiederum mit einem Drogendealer liiert ist. Abwechselnd trifft Leonard die beiden und muss inmitten ihrer widersprüchlichen Einflüsterungen die Wahrheit herausfiltern.

    Leider banaler Schluss

    Auch über sich selbst: Dies ist in diesem Thriller des Pudels Kern. Leonard muss, im Spiegel der Aussagen anderer, seine Identität immer wieder neu erfinden - und es gelingt dem lakonischen Hauptdarsteller Guy Pearce, den Zuschauer mitzunehmen bei dieser zunehmend beunruhigenden Reise in die eigenen Abgründe. "Memento" ist, ganz in der Tradition von Alfred Hitchcock und Stanley Kubrick, ein "interaktiver" Thriller, der den Zuschauer intellektuell herausfordert.

    Paradoxe Denkfallen

    Die grundlegende Frage ist hier nicht "Was passiert als nächstes?", sondern "Wie konnte es dazu kommen?", und wie ein gespanntes Gummiband, das fortwährend zurückschnellt, so versucht auch das menschliche Hirn zwanghaft, die chronologische, lineare Ordnung der Ereignisse, die Abfolge von Ursache und Wirkung, wieder herzustellen - und lässt sich dabei immer aufs Neue in paradoxe Denkfallen locken. Die kleinen grauen Zellen werden jedenfalls mächtig trainiert - auch wenn die Belohnung für diese Anstrengung durch den unerwartet banalen Schluss recht dürftig ausfällt.

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