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  • Kritik: Mystik versus Wissenschaft

    Jean Reno als kaputter Profi-Cop

    Mit Grusel, Gewalt und viel Geheimnis schwingt sich die französische Großproduktion "Die purpurnen Flüsse" mit Jean Reno zu einem Grenzgang zwischen Thriller, Milieustudie und Filmpoesie auf. Doch Regisseur Mathieu Kassovitz verzettelt sich in einem weitläufigen und großtuerischen Drehbuch - was bleibt, ist rasantes Actionkino mit einem zeitgeistigen Bilderfluss.

    Im Mikrokosmos einer abgelegenen Berg-Universität finden seltsame Morde statt. Andernorts in den französischen Alpen wird eine Kindergruft geschändet. Zwei Kommissare beginnen die Recherche. Ihre beiden Wege nähern sich immer mehr an; dabei begegnen die beiden Skinheads, einer blinden Nonne - und schließlich einem perfiden Projekt zur Zucht des perfekten Menschen zwischen Nazi- und Genwahn. Mystik versus Wissenschaft, Inzucht, Hexerei und ewiges Eis - nur mit Mühe kriegt das Drehbuch im etwas hektisch verzettelten Finale auf alle geöffneten Fässer einen Deckel.

    Mit dem Film "Hass" hatte Kassovitz 1995 einen wütenden kleinen Film über ausweglose und gewaltbereite Jugendliche in den Pariser Vorstädten geschaffen - und sich damit lässig und eindringlich als Vertreter eines neuen europäischen Realismus empfohlen. Von dieser Authentizität hat die neue Produktion nur noch in einzelnen Szenen eine Spur übrig. Der ehemalige Autorenfilmer Kassovitz beteuert zwar: "Der Film ist durch meinen Kopf, durch mein Herz und meine Hände gegangen." Doch beutet der 33-Jährige sein Gespür für frappierende Optik und rhythmische Szenen hier für eine unnötige Verneigung vor Hollywoods Tempo-Kino aus.

    Dabei ist es ein Glück, dass Kassovitz sich mit der Entwirrung der Fährten zunächst Zeit lässt. Weniger die großspurigen Genbezüge halten "Die purpurnen Flüsse" am Laufen, sondern vielmehr immer wieder bizarre Momente und abseitige Milieueinblicke. Kiffende Jugendliche in der einzigen Hochhaussiedlung weit und breit geben der erhabener Gipfelkulisse einen ebenso kurios zeitgemäßen Kick wie Hinterhof-Rowdys in einer verschlafener Dorfkneipe. Überhaupt kommen vom rätselvollen Professor (Jean-Pierre Cassel) bis zum bürokratischen Pathologen allerhand prägnante und sorgfältig besetzte Typen vor.

    Jean Reno gewinnt als einsamer Wolf dabei wenig Charakter. Standard-Dialoge legen den Kommissar auf die Sorte kaputter Profi fest. Auch die Spannung zwischen den treuherzigen Menschen vor Ort und dem Stadtpolizisten bleibt Klischee. "Wir haben einen wie sie hier noch nie gehabt", bekennt ein Dorfgendarm misstrauisch. "Seien sie froh", entgegnet Reno - und setzt dabei seine weitgehend durchgehaltene Düstermine auf. Der französische Schauspieler hat über den Film gesagt: "Das Wesentliche der Geschichte ist der Winter." Der behält seine kühlen Geheimnisse aber letztlich für sich.

    Basil Wegener, dpa

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