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  • Kritik: Musical-Komödie mit Charme und brillanten Schauspielern

    Die Kamera gleitet durch ein heruntergekommenes Einfamilienhaus in einer britischen Arbeitersiedlung, in dem schon der Putz von den Wänden bröckelt. Von den Spuren der Zeit gezeichnet ist auch die schlampig wirkende Hausfrau Mari (Brenda Blethyn), die mit dick aufgetragener Schminke ihr wahres Alter zu übertünchen versucht.

    Während sie hemmungslos mit den Telefon-Installateuren flirtet, bringt ihre schüchternde Tochter "Little Voice" (Jane Horrocks) kaum einen Ton heraus und kapselt sich beinahe autistisch von der Außenwelt ab. Zu Hochform läuft sie nur auf, wenn sie sich in ihr Zimmer einschließt und dort täuschend echt die alten Songs von Judy Garland, Marilyn Monroe, Shirley Bassey oder Marlene Dietrich nachschmettert.

    Mit seinem neuen Kinofilm "Little Voice" ist dem britischen Autor und Regisseur Mark Herman ("Brassed Off - Mit Pauken und Trompeten") eine hinreißende Musical-Komödie mit viel Charme, tragikomischen Witz und brillanten Schauspielern gelungen, die Brenda Blethyn eine Oscar- Nominierung sowie Michael Caine einen Golden Globe einbrachte.

    Die Vorlage zu "Little Voice" lieferte der britische Theaterautor Jim Cartwright mit seinem Stück "The Rise and Fall of Little Voice", das er der britischen Schauspielerin und Gesangs-Imitatorin Jane Horrocks auf den Leib geschrieben hat.

    Nach der Premiere im National Theatre in London avancierte dieses Musical zum Publikumshit im West End, wo die britische Produzentin Elisabeth Karlsen auf diesen originellen Kinostoff aufmerksam wurde. Für die Leinwandadaption von "Little Voice" wurde der britische Regisseur Mark Herman engagiert, der die kleinen Schwächen und Schattenseiten der Charaktere in seinem Drehbuch noch stärker herausgearbeitet hat. "Die Verzweiflung dieser Leute", sagt Brenda Blethyn, "wird darin genauso offensichtlich wie ihre Frivolität und der Selbstbetrug, mit dem sie versuchen, ihr eigenes Leben zu beschönigen."

    Um sich den nordenglischen Dialekt Rawtenstalle anzueignen, den auch Jane Horrocks spricht, mußte die Schauspielerin sogar Unterricht bei einem Sprach-Trainer nehmen. "Ich habe diesen Dialekt regelrecht studiert", grinst Brenda Blethyn. Als Mutter Mari sich eines nachts mit dem abgetakelten Agenten Ray (Michael Caine) lautstark im Wohnzimmer amüsiert, knallen im Haus die Sicherungen durch. Dabei wird der gealterte Playboy auf die Stimme von "Little Voice" aufmerksam, die sich für ihn als die ganz große Entdeckung erweist. Doch das schüchterne Mädchen, das inzwischen eine zarte Freundschaft mit dem Taubenzüchter Billy (Ewan McGregor) geschlossen hat, scheut den Schritt ins Rampenlicht.

    Obwohl der erste Auftritt mißlingt, will der erfolglose Musikmanager nicht aufgeben. Um eine Show im großen Stil zu finanzieren, verpfändet er sogar seinen Sportwagen. Im Glanz des Scheinwerferlichtes verwandelt sich "Little Voice" in einen echten Vamp, dessen Gesangs-Repertoire von "Goldfinger" über "Over The Rainbow" bis hin zu "My Heart Belongs To Daddy" reicht. Vor Augen hat sie dabei jedoch nur das Bild ihres verstorbenen Vaters, von dem ihr nur die alten Schallplatten geblieben sind. Nach dem rauschenden Erfolg dieses Abends plant der zweitklassige Agent eine große Karriere. Doch er hat die Rechnung ohne "Little Voice" gemacht.

    Allein durch den herausragendenn Gesangsauftritt von Jane Horrocks wird "Little Voice" zum großen Kinoerlebnis. Doch der britische Regisseur Mark Herman hat sich bei dieser Regiearbeit nicht darauf beschränkt, mit viel Herz und Humor eine beschwingte Musical-Komödie zu erzählen, sondern schildert mit ernsthaften Unterton zugleich das kaputte Seelenleben der verschiedenen Charaktere, die sich gegenseitig nur benutzen. Aus diesem Spiel, das die selbstsüchtige Mutter und der karrieregeile Agent in der Hand zu haben glauben, steigt "Little Voice" aus, als sie auf der Bühne symbolträchtig einem goldenen Käfig entklettert. Ihre echte Befreiung erfährt sie konsequenterweise schließlich bei dem jungen Taubenzüchter Billy, der sie so liebt, wie sie ist - ganz ohne Glanz und Glamour.

    Birgit Heidsiek, dpa

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