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  • Kritik: Mütterliche Monster

    Dresden (dpa). "Nanas" - das klingt wie das harmlose Gestammel eines Kindes. Doch die unförmigen Frauenfiguren, die Niki de Saint Phalle aus Gips und Polyester modelliert und "Nanas" nennt, sind Monster, mütterliche Monster, gebährend und alles verschlingend. "Wer ist das Monster - Du oder ich?", fragt die französisch-amerikanische Künstlerin sich selbst und ihren Bewunderer - den Münchner Filmemacher Peter Schamoni. Sein "dramatischer Dokumentarfilm" über Niki de Saint Phalle, der am Sonntag bei den Dresdner Filmnächten an der Elbe vor mehr als 1 000 Zuschauern uraufgeführt wurde, ist mit dieser Frage übertitelt und versucht, eine Antwort zu geben.

    Bevor sie sich ihren poppig bemalten "Nanas" zuwandte, hatte Niki de Saint Phalle - der Name ist kein Pseudonym - die Kunstwelt mit ihren "Schießbildern" verschreckt. Mit einem Gewehr zielte sie auf in Gips einmodellierte Farbbeutel, die sich über die weiße Oberfläche ergossen. Dieser Akt, der Schöpfung und Zerstörung zugleich war, machte Niki, wie sie rückschauend sagt, zu einer "Terroristin der Kunst". Schamoni verwendet viel Zeit für diese wichtige Phase in Leben und Werk der Künstlerin, aus der sie ihre Energie für das Spätwerk schöpft. Es war der Versuch, sich nach offenbar inzestuösen Kindheitserlebnissen selbst zu befreien. "Ich schoß gegen Daddy, gegen alle Männer, gegen mich selbst."

    Schließlich überwindet sie das verhaßte Patriarchat, indem sie in ihren "Nanas" den Prototyp einer mütterlichen Gegenwelt schafft. Die Skulpturen - besser Karikaturen - mit überbreiten Hüften, klaffenden Geschlechtsorganen und üppigen Brüsten machen sie weltweit populär. In kongenialer Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem 1991 gestorbenen Schweizer "Maschinenpoeten" Jean Tinguely, zieht sie in die großen Museen ein, baut sich schließlich in der Toskana einen Garten mit riesigen, bewohnbaren Nana-Skulpturen - ihr Lebenswerk. In diesem Jahr wird die Künstlerin, die sich bei ihren Polyesterarbeiten die Lungen verbrannte, (am 29. Oktober) 65 Jahre alt.

    Schamoni, der bereits mit anderen Künstlerporträts - etwa über den Maler Max Ernst - Furore machte, läßt Niki erzählen und unterlegt ihre Kommentare mit Bildern im Rhythmus der Sprache. Die Klammer des Films bilden Ansichten aus ihrem italienischen Zaubergarten. Die einfühlsamen Bilder von Schamonis Kamerateam - darunter der Dresdner Ernst Hirsch, mit dem Schamoni schon 1985 zusammenarbeitete - sowie Sequenzen aus Nikis eigenen Filmen und älteren Dokumentationen werden bruchlos zusammengefügt. "Es ist ein Meisterstück eines Filmemachers, der einen absolut souveränen Zugang zur Künstlerin hat", urteilte die Wiesbadener Filmbewertungsstelle. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres soll der 90minütige Streifen in die Kinos kommen.

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