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  • Kritik: Mühe mit der Theorielast des Romans

    Alles nur viel Lärm um nichts? Seit Wochen sorgt der Hollywood-Film �The Da Vinci Code - Sakrileg� weltweit für Berichte, Diskussionen und Proteste. Doch der Film selbst hält nicht, was der enorme Rummel verspricht.

    Regisseur Ron Howard (�Apollo 13�) hat einen eher mittelmäßigen Thriller gedreht, der sich deutlich damit abmüht, die komplexe und theoriereiche Romanvorlage von Dan Brown filmisch in den Griff zu bekommen. Oscar-Preisträger Tom Hanks hat in der Rolle des Symbolforschers Robert Langdon nur wenig Gelegenheit, seine Fähigkeiten als Charakterdarsteller zu zeigen. Denn dort, wo der Autor Dan Brown in seinem weltweit rund 48 Millionen Mal verkauften Buch durchaus interessante Ausflüge in die Religions- und Kunstgeschichte unternimmt, muss der Star Hanks unentwegt wortreich erklären, was gerade passiert. Der Kurator des Louvre-Museums in Paris ist ermordet worden. Noch im Sterben hat der Mann etliche verschlüsselte Hinweise hinterlassen, die nicht zum Täter, sondern zu einem großen, die Grundfesten des Christentums erschütternden Geheimnis führen. Der Amerikaner Langdon und die französische Code-Expertin Sophie (Audrey Tautou) machen sich auf eine gigantische Schatzsuche durch Paris und Großbritannien. Bei ihrer Schnitzeljagd von einem Symbolrätsel zum nächsten werden sie nicht nur von der Polizei gehetzt. Auch der Mönch und Mörder Silas (Paul Bettany) ist ihnen auf den Fersen - ein Todesengel des katholischen Geheimordens Opus Dei, der alles daran setzt, das Geheimnis zu bewahren. Die Tempelritter, der Heilige Gral, verborgene Bruderschaften und das �größte Vertuschungsmanöver der menschlichen Geschichte�: Das ist eine Thriller-Konstellation, wie sie nur in der westlichen Welt funktionieren kann. Der Film verwandelt spröde Theorien und Jahrhunderte alte Mutmaßungen in Popkultur. Die Kernthese ist, dass Jesus Christus ganz menschlich mit der �Sünderin� Maria Magdalena verheiratet war und ein Kind hatte, dessen Nachfahren heute noch leben. Die Logik des Blockbuster-Kinos biegt dies in einen jener spekulativen Auslöser um, die eine teure Action-Geschichte mit Autoverfolgungen und wohl dosierter Gewalt braucht. Doch ob diese Mischung im Kino funktioniert, ist fraglich. Mit visuellen Mitteln versucht Regisseur Howard, der Ideen-Lastigkeit der Buchvorlage zu entsprechen. Kurze historische Rückblenden sehen wie alte Gemälde aus, die Kameraarbeit insgesamt ist exzellent. Doch viele Einschübe und Erklär-Dialoge bremsen den Fluss der Handlung. Der französische Publikumsliebling Audrey Tautou scheint sich im Ambiente einer 100-Millionen-Dollar-Produktion auch nicht sehr wohl zu fühlen und entwickelt kaum den Charme ihrer Paraderolle als �Am�lie�. Schauspielerischer Höhepunkt ist Ian McKellen, der seiner Figur des verräterischen Grals-Suchers Teabing Witz und Seele einflößt. Das Wort �Sakrileg� bedeutet Gotteslästerung und bezeichnet ein Vergehen gegen Gegenstände oder Grundlagen religiöser Verehrung. Dass christliche Gruppen in vielen Ländern der Welt Demonstrationen vor den Kinos angekündigt haben, ist verständlich, aber für die Macher des Films nicht wirklich bedrohlich. Die kirchlichen Proteste, der Plagiatsprozess gegen das Buch in Großbritannien - all das hat �The Da Vinci Code - Sakrileg� ins Gespräch gebracht. Die seit Monaten laufenden Kinotrailer und Werbeaktionen haben ein Übriges getan, um die Neugier anzuheizen. Filmkritik war in dieser Kampagne verzichtbar und möglicherweise auch unerwünscht: Die erste Pressevorführung überhaupt fand am Dienstagabend um 20.30 Uhr in Cannes statt - nur einen Tag vor der Uraufführung zur Eröffnung der Filmfestspiele und dem internationalen Kinostart.

    Von Karin Zintz, dpa

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