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  • Kritik: Müde Scherze in der «schlechtesten Armee der Welt»

    In der DDR-Kaserne «Fidel Castro» gibt es sie alle: die Sadisten, die Träumer, die Ideologen und die Einsamen. Nur die Rebellischen sind in der Nationalen Volksarmee (NVA) selten.

    So einer ist Genosse Krüger (Oliver Bröcker), der Ende der 80er Jahre irgendwo in der Ost-Provinz eingezogen wird. Zusammen mit dem liebeskranken Henrik (Kim Frank) muss er irgendwie die Zeit bei der «unattraktivsten Armee aller Zeiten» überstehen.

    Regisseur Leander Haußmann («Sonnenallee») setzt mit der Komödie «NVA» seine Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit fort. Dabei kann sich der Filmemacher auch auf seine eigenen NVA-Erfahrungen stützen: als Obermatrose Haußmann absolvierte er von 1980 an seine 18 Monate Wehrdienst.

    Bis ins letzte Detail wurde für den Film ein Stück DDR-Wirklichkeit nachgebaut, die Ausstattung und die Kostüme des Films sind ähnlich wie schon in «Sonnenallee» bestechend echt. Auch die Besetzung ist gut: Kim Frank von der Band Echt wirkt in seiner ersten großen Filmrolle, als ob er tatsächlich in dieser unwirtlichen Kaserne ausgesetzt worden wäre.

    Oliver Bröcker, zuletzt unter anderem in «Kammerflimmern» und «Die fetten Jahre sind vorbei» zu sehen, gibt überzeugend den Rebellen. Wunderbar kurios und verkniffen sind Detlev Buck als Oberst Kalt und Ignaz Kircher als Soldatenschinder Futterknecht.

    Das von Haußmann zusammen mit Thomas Brussig geschriebene Drehbuch hat allerdings einige Hänger. Die Geschichte funktioniert vor allem deshalb nicht richtig, weil sie sich nicht zwischen Komödie und Drama entscheiden kann. Es gibt schöne Szenen, wenn etwa ein Rekrut beim Fegen des Herbstlaubes einen kuriosen Kampf gegen den Wind verliert. Oder die trüb- und alkoholselige Weihnachtsfeier in der Kaserne, die immer wieder von den ebenso klassenkämpferischen wie absurden Reden eines Vorgesetzen unterbrochen wird.

    Oft aber zünden die Witze nicht, das DDR-Spezifische wird durch Kalauer ersetzt, die in jeder beliebigen Armee der Welt spielen könnten - von der Tyrannei der älteren Soldaten über die Einsamkeit der Neulinge bis zu den zum falschen Zeitpunkt zündenden Handgranaten. Dann bricht kurz die Tragödie in die Komödie: Der aufmüpfige Krüger wird zu einer Strafeinheit versetzt und kehrt als scheinbar willenlose Maschine zurück. Die Umarmung einer Frau löst aber auch dieses Problem schnell.

    «Die meisten Geschichten, die wir erzählen, sind wahre und erlebte Geschichten», sagt Haußmann, der parallel zum Film auch den Roman «NVA» (Verlag Kiepenheuer Witsch) veröffentlicht. «Ich habe mich immer als Sammler der kleinen Dinge verstanden. Ich ignoriere ja nicht die Grausamkeit des Systems, in diesem Fall die Diktatur. Aber ich beschäftige mich mit dem Unheldischen.» Am Ende lösen Haußmann und Brussig die Geschichte in der deutschen Einheit auf.

    dpa

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