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  • Kritik: Morden bringt Einschaltquote

    De Niro fast schon obszön

    Alles, was die beiden Männer zu bieten haben, ist die skrupellose Bereitschaft zu jedem Verbrechen. Dabei pflegen sie eine bestimmte Arbeitsteilung: Emil killt, Oleg filmt. Ihre ersten Opfer sind ein früherer Kumpan, der noch Geld schuldete, und dessen Freundin.

    Brutal wird das Paar dahingeschlachtet, anschließend die Wohnung in Brand gesteckt. Aber Daphne, eine illegale Immigrantin im Nebenzimmer, hat den schrecklichen Mord beobachtet und kann fliehen. Am Tatort taucht bald Eddie Flemming auf, der eitle Medienstar unter New Yorks Polizisten, dazu der junge, ausgesprochen pressescheue Brandschutzexperte Jordy Warsaw. Sie ahnen bald, in welcher Gefahr die einzige Zeugin ist. Und Emil und Oleg bekommen schnell heraus, dass sich Verbrechen bezahlt macht, wenn es nur medienwirksam vermarktet wird.

    Dafür sorgen schon Sensationsjournalisten wie Robert Hawkins, der immer neuen Stoff für seine Sendung "Top Story" braucht. Das Ost-Duo sorgt mit einem von Olegs Videokamera dokumentierten bestialischen Mord für Rekordeinschaltquoten. Denn das Opfer ist kein anderer als eben jener Flemming. Emil und Oleg haben ihr Ziel erreicht, sie sind berühmt, weil sie vor einem Millionenpublikum einen noch Berühmteren um sein Leben gebracht haben. Nun bedarf es nur noch eines psychologischen Gutachtens, mit dem ihre geistige Verwirrung bescheinigt wird, um ihren frischen Ruhm auch in Freiheit genießen zu können.

    Ob das möglich ist, muss schon deshalb bezweifelt werden, weil der am 12. April in den Kinos anlaufende Film "15 Minuten Ruhm" aus Hollywood stammt. Aber das absehbare Ende ist nicht von besonderem Belang bei einem Film, der leider nicht 15, sondern 121 extrem blutrünstige und ruhmunverdächtige Minuten dauert. Der noch nicht mit besonderen Talenten hervorgetretene John Herzfeld, für Drehbuch, Regie und Produktion des Streifens gleichermaßen verantwortlich, hat ein Machwerk zu verantworten, dessen übelster Bestandteil die angebliche Kritik an der Sensationsgier der Medien ist.

    Denn so berechtigt diese Kritik auch grundsätzlich ist, benutzt Herzfeld das Thema doch nur als Vorwand, um alle möglichen Varianten von mörderischer Gewalt und Vorurteilen auszubreiten. Es ist einfach widerlich, wie die beiden osteuropäischen Killer in dem Film als sadistische Monster gezeichnet werden, die schamlos die als viel zu weitgehend denunzierte Liberalität Amerikas ausnutzen. Und die nicht zu bestreitende, immer weiter fortschreitende Verkommenheit in der Medienbranche kann nicht glaubwürdig ins Visier genommen werden, wenn "15 Minuten Ruhm" visuell wie inhaltlich auf die niedersten Instinkte des Betrachters zielt.

    Deprimierend, dass sich ein Schauspieler vom Rang wie Robert De Niro für diesen Film hergegeben hat. De Niro hat eine Soloszene, in der sich die maßlose Eitelkeit der Figur des Poizisten, aber wohl auch seines Darstellers fast schon obszön zeigt. Hat den älter werdenden Hollywood-Star das gereizt? Oder wollte er mal die Welt damit verblüffen, nicht zu siegen, sondern umgebracht zu werden? Von diesem Film hätte De Niro unbedingt die Finger lassen sollen.

    Das gilt auch für den Tschechen Karel Roden als Killer Emil und den bulligen Russen Oleg Taktarov als Kumpan Razul. Diese guten, in ihrer Heimat angesehenen Darsteller dienen nur als tumbe Tanzbären im Multiplex-Zirkus.

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    Bettina Tollkamp

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