40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Moore legt den Finger in die Wunde
  • Kritik: Moore legt den Finger in die Wunde

    Ein Mann im Tarnanzug robbt schwer bewaffnet durch irgendein Wäldchen in der amerikanischen Provinz. Er schießt ein paar Mal in die Nacht. Dann gibt er Auskunft über das, was ihn drängt. Herrscht Krieg? Im Prinzip nicht. Aber irgendwie doch: Der Mann hält es für seine "patriotische Pflicht" bewaffnet zu sein - um Frau und Kinder verteidigen zu können.

    Daran, dass dieser Typ töten würde, lässt Michael Moore in seinem absolut sehenswerten Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" keinen Zweifel. Und er fragt: "Sind wir verrückt nach Waffen - oder einfach nur verrückt?".

    Mehr als 10.000 Schusswaffenopfer pro Jahr

    Michael Moore (48), einer der wenigen prominenten linken Intellektuellen und Satiriker in den USA, legt den Finger in eine Wunde der US-Gesellschaft. Sein provozierender Film ist angesichts des Irak-Konflikts und der erst wenige Wochen zurückliegenden Attacken des Heckenschützen eine höchst sehenswerte und erstaunlich unterhaltsame Materialsammlung zur Gewaltgeschichte der USA. "Bowling for Columbine" wurde bei den Filmfestspielen in Cannes vom Publikum gefeiert und mit einem Spezialpreis ausgezeichnet.

    Angeregt durch die Tatsache, dass in seiner Heimatstadt nicht nur der rigorose Waffen-Lobbyist Charlton Heston aufwuchs, sondern auch Eric Harris, einer der beiden Täter des Schulmassakers an der Columbine Highschool von Littleton (Colorado), beginnt Moore zu fragen: Warum hat das Land mit mehr als 10.000 Schusswaffenopfern pro Jahr die weltweit höchste entsprechende Todesrate? Im Nachbarland Kanada, ähnlich flächendeckend bewaffnet, spielen die durch Gewehr und Pistolen Getöteten statistisch nur eine Nebenrolle.

    An der Angst verdienen viele

    Moore bohrt und bohrt, harmlos-freundlich fragend, aber höchst subversiv. Sein Ansatz ist vielfältig und hätte bei zwei Stunden Filmlänge mehr Struktur verdient. Er montiert Interviews, Polizeivideos, Trickfilme, TV-Ausschnitte und persönliche Kommentare zu einer dynamischen Mixtur mit klarer Hauptaussage: "Es ist eine historisch gewachsene Angst, die ein Klima der Gewalt erzeugt."

    Weiße Jugendliche erzählen von hausgemachten Bomben. Bürgermilizen sehen im Schießtraining einen Akt der Verantwortung. Eine Gesellschaft im internen Kriegszustand. An der Angst verdienen viele: Medien, Waffenhersteller, Politiker natürlich, Supermärkte mit Munitionsdepot oder Schock-Musiker wie Marilyn Manson.

    Bedrohung als Grundgefühl der Amerikaner

    Amerika ist auf Gewalt gebaut, meint Moore. Auf Sklaverei und Ausbeutung vor allem der Schwarzen. Doch die "Angst vor der Rache des schwarzen Mannes" und aller anderen Opfer erzeugt ein Grundgefühl der Bedrohung. Die Medien nehmen vor allem einzelne Gewalttaten wahr und machen sogar noch mit "afrikanischen Killerbienen" Quote. Und diese paranoide Stimmung wird in Moores Augen durch die Rolle der "Weltpolizei" USA verstärkt, die ihre Aggressionen als Akte der Selbstverteidigung darstellt.

    Moore ist bewusst parteiisch, unausgewogen und manipulativ

    Für Komik sorgt in diesem Schreckensgemälde vor allem die Figur des arglosen Fragers. Michael Moore ist dabei bewusst parteiisch, unausgewogen und manipulativ. Einer der Höhepunkte in der Montage: Er spricht mit Ex-Hollywoodstar Charlton Heston als Symbolfigur der "National Rifle Association". Warum er kurz nach dem Tod eines sechsjährigen Mädchens durch die Kugel eines Gleichaltrigen ausgerechnet im Wohnort der Kinder für Pistolen geworben habe? Der starke alte Mann schwadroniert von Bürgerrechten, doch als er mit dem Foto des Mädchens konfrontiert wird, verlässt er sprachlos den Raum.

    Karin Zintz, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Jochen Magnus

    Mail | 0261/892-330

    Abo: 0261/9836 2000

    Anzeigen: 0261/9836 2003

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 8°C
    Dienstag

    2°C - 6°C
    Mittwoch

    3°C - 7°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!